Bamberg

Gleusdorf-Prozess: Die Angeklagten schweigen

Auftakt in Bamberg: Die frühere Heimleiterin, ihr Pflegedienstleiter und der damalige Hausarzt des Altenheims müssen sich vor dem Landgericht wegen Totschlags verantworten.
Prozessauftakt in Sachen Pflegeheim Gleusdorf: Die Anwälte Maximilian Bär (links) und Alexander Seifert unterhalten sich im Landgericht Bamberg mit der Angeklagten.
Prozessauftakt in Sachen Pflegeheim Gleusdorf: Die Anwälte Maximilian Bär (links) und Alexander Seifert unterhalten sich im Landgericht Bamberg mit der Angeklagten. Foto: Daniel Karmann, dpa

Mit gesenktem Blick und geschlossenen Augen folgt die Angeklagte Angelika R. (Namen geändert) der Verlesung der Anklageschrift. Oberstaatsanwalt Otto Heyder beschreibt ungeheuerliche Vorkommnisse, die sich in der damals von der 59-Jährigen geleiteten Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf abgespielt haben sollen. Die drei Angeklagten – neben R. auch der damalige Pflegedienstleiter Peter N. (49) und der Hausarzt Martin L. (70) – müssen sich vor dem Landgericht Bamberg unter anderem wegen Totschlags durch Unterlassen in Tateinheit mit der Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten.

Heimbewohner starben unter dubiosen Umständen

In dem Altenheim im Landkreis Haßberge waren vor mehr als drei Jahren einige Bewohner unter dubiosen Umständen gestorben. Laut Staatsanwaltschaft wurde Heimbewohnern „die erforderliche medizinische Versorgung vorenthalten“, die Angeklagten hätten sich „selbstgefällig als Herren über Leben und Tod geriert“. In der Anklage ist unter anderem von einem 80-Jährigen die Rede, der sich bei einem Sturz im August 2014 schwer verletzte, aber trotz des folgenden Verdachts auf eine Lungenentzündung nicht in ein Krankenhaus verlegt werden durfte. Bald darauf sei er gestorben, der damalige Hausarzt Martin L. bescheinigte einen „natürlichen Tod“.

Die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf im Landkreis Haßberge.
Die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf im Landkreis Haßberge. Foto: David-Wolfgang Ebener, dpa

In einem anderen Fall hätten R. und N. „den Tod eines Heimbewohners zumindest billigend in Kauf genommen, um nicht eine erneute Verlegung in ein Krankenhaus veranlassen zu müssen“. Ähnlich sei es im Mai 2015 einer 73-Jährigen gegangen, die trotz Lungenentzündung nicht in ein Krankenhaus verlegt worden sei. Immer wieder hätten Heim- und Pflegedienstleitung darauf bestanden, dass Pflegekräfte auch in Fällen schwerwiegender Erkrankungen von Heimbewohnern nicht selbstständig einen Arzt verständigen oder notärztliche Versorgung in Anspruch nehmen.

Verteidiger beklagt "mediale Vorverurteilung"

Die schwersten Wunden und Nekrosen eines 85-Jährigen seien zwar als Handyfotos dokumentiert worden, zu einer wirksamen Schmerzbekämpfung sei es jedoch nicht gekommen. Die Angeklagten haben damit laut Heyder in Kauf genommen, dass der Mann „über einen längeren Zeitraum hinweg ganz erhebliche und massive, vermeidbare Schmerzen“ erlitt.

Die Angeklagten wollten sich am ersten Verhandlungstag weder zur Sache noch zur eigenen Person äußern. Thomas Drehsen, der Verteidiger von Peter N., wies für seinen Mandanten die Vorwürfe zurück – was von höhnischem Gelächter aus dem Zuschauerraum begleitet wurde. Der Anwalt der ehemaligen Heimleiterin, Alexander Seifert, erklärte, es werde sich zeigen, dass am Ende von der Anklage nichts übrig bleibe. Seifert beklagte eine „massive mediale Vorverurteilung“, zudem hätten sich alle Hauptbelastungszeugen bereits in der Presse geäußert.

Prozess ist bis Ende Januar 2020 terminiert

Die Verteidigung will vor dem Landgericht auch die Arbeitsgerichtsverfahren ehemaliger Gleusdorf-Mitarbeiter thematisieren, die ihre frühere Heimleitung belasten. „Es wird ganz genau darauf zu achten sein, welche tatsächlichen Handlungen meiner Mandantin nachzuweisen sind“, erklärte Seifert. Angelika R. stehe kurz vor dem Verkauf ihrer Anteile an der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf, einer Einrichtung, die nach wie vor bestehe. Die einstündige Verhandlung war der kurze Auftakt zu einem Mammutprozesses, in dem noch 27 weitere Verhandlungstage geplant sind. 43 Zeugen und zwei Sachverständige sollen bis Januar 2020 noch gehört werden. Am nächsten Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

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