BERLIN

Kandidat sucht Frau

Annegret Kramp-Karrenbauer To Step Down As CDU Leader
Welche Frau wird an der Spitze der CDU nach Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer (im Bild) künftig eine herausragende Rolle spielen? Namen gibt es noch nicht, Spekulationen reichlich. Foto: Sean Gallup, Getty Images

Eines haben die Bewerber um den CDU-Vorsitz in ihren inhaltlichen Zielen gemeinsam: Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz wollen den Zusammenhalt in der Partei stärken. Frauen spielen in der Nachfolgedebatte allerdings gerade eine nur untergeordnete Rolle. Nachdem Angela Merkel der Partei mehr als 18 Jahre vorstand und ihr mit Annegret Kramp-Karrenbauer eine zweite Vorsitzende folgte, soll es nun wieder ein Mann richten. Merz und Laschet haben indes bereits angekündigt, im Falle ihrer Wahl eine Frau zur Generalsekretärin zu machen. Diese zweitwichtigste Position in der Parteizentrale der Christdemokraten ist mit Paul Ziemiak besetzt. Für ihn könnte es damit eng werden.

Röttgen hatte zunächst am Dienstag für einige Verwirrung gesorgt. Während Laschet und Spahn auf einer Pressekonferenz ihre Team-Kandidatur bekanntgaben, twitterte der CDU-Außenpolitiker, er wolle mit einer Frau in seinem Team für den Parteivorsitz antreten. Am Mittwoch präzisierte er seine Vorstellungen. „Mein erstes Versprechen: Die erste Position, die frei wird, wenn ich Vorsitzender bin, wird – und zwar in der vordersten Reihe – mit einer Frau besetzt“, sagte er dem Fernsehsender RTL. Auf die Nachfrage hin, ob er damit eine Generalsekretärin meine, sagte Röttgen: „Das ist ein hervorgehobenes, herausragendes Amt. Das ist das zweitwichtigste nach dem Vorsitzenden und aus meiner Logik, die ich vorgelegt habe, folgt genau das.“

Völlig offen ist aber, wen Röttgen dabei im Sinn haben könnte. Er selbst und sein direktes Umfeld äußern sich dazu nicht. „Ich vermute mal, der Norbert hat noch niemanden im Kopf“, sagt ein Parteifreund. Der Name Monika Grütters fällt, und ja, die Kulturstaatsministerin ist zumindest nicht als Gegnerin von Röttgen aufgefallen. Andererseits ist es gerade ziemlich unmöglich, sie sich als Generalsekretärin der CDU vorzustellen. Der Sprung aus dem Kanzleramt ins Konrad-Adenauer-Haus scheint dann doch ein wenig zu steil bergab zu gehen.

Bei Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner fragen sich viele, warum die CDU-Politikerin nicht den Finger gehoben und sich in die aktuelle Kandidaten-Debatte eingeschaltet hat. Aus ihrem Umfeld heißt es dazu, die Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz halte sich derzeit lieber zurück. Und natürlich ist es kaum denkbar, dass ein Kabinettsmitglied Generalsekretärin der CDU Deutschlands wird.

Sollte Röttgen sich im Vorstand seines Landesverbandes umschauen – der mit zehn Männern und zwei Frauen besetzt ist –, hätte er die Wahl zwischen der langjährigen Bundestagsabgeordneten Elisabeth Winkelmeier-Becker und Ina Scharrenbach. Erstere ist vor ein paar Wochen als Staatssekretärin ins Wirtschaftsministerium gegangen und dürfte kaum Interesse haben. Mit Scharrenbach hingegen könnte Röttgen einen echten Coup landen: Die 43-Jährige ist Landesministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung sowie Vorsitzende der Frauen-Union in Nordrhein-Westfalen.

Ein weiterer Name in der hoch spekulativen Gerüchteküche ist der von Katja Leikert. Die Hanauer Bundestagsabgeordnete und Vizefraktionsvorsitzende kann aber auch genauso gut dem Merz-Lager zugerechnet werden. Was ebenfalls für Nadine Schön gilt, sie ist wie Leikert Abgeordnete und stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende. Schön würde immerhin für eine gewisse Kontinuität stehen. Sie kommt wie die frühere CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer aus dem Saarland.

Bei Friedrich Merz ist die Personalfrage ähnlich undurchsichtig wie bei Röttgen. Auch der ehemalige Unionsfraktionschef will eine Generalsekretärin berufen, auch er nennt keine Namen. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann könnte infrage kommen. Allerdings ist sie die Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Jahr 2021. Andererseits hat sie sich zusammen mit CDU-Landeschef Thomas Strobl und Landesgeneralsekretär Manuel Hagel gerade für Merz als neuen Parteichef ausgesprochen. Begründung: Merz habe ein sehr hohes Ansehen in der Wirtschaft und ihm könne es gelingen, Wähler von der AfD zurückzuholen.

Und Armin Laschet? Der begründete seine von Jens Spahn unterstützte Kandidatur bereits damit, es habe in der CDU eben keine Frau gegeben, „die gesagt hat: 'Ich will Kanzlerin werden'.“ Es sei nun ja auch nicht so, dass die CDU in den letzten Jahren keine Frauen in verantwortlichen Positionen gehabt hätte, sagte der Bewerber mit Blick auf Merkel, Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen.

Die CDU habe „in harten Ressorts“ immer auch Frauen an die erste Stelle gestellt, meinte Laschet und betonte: „Dass jetzt mal wieder ein Mann theoretisch Kanzler werden könnte“ bedeute ja nicht, „dass das Frauenthema weg ist“. Jens Spahn war es übrigens, der mit einem Lächeln einen weiteren Aspekt in die Debatte warf. „Wenn Sie genau schauen, sind Armin Laschet und ich in mancherlei Hinsicht diverser als nur: Da sitzen zwei Männer“, sagte der Minister, der mit dem Journalisten Daniel Funke liiert ist.

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