KÜRNACH

Kolumne „Herr Czygan wählt“: Wasser, Wein und Fruchtaufstrich

Wirbt gleich mit drei Kreuzen: Freie-Wähler-Spitzenkandidat Gerald Pittner. Foto: Facebook

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz. Mit dem Kreuzerlass von Ministerpräsident Markus Söder hat das christliche Symbol seine Unschuld verloren – jedenfalls im politischen Kontext. Als der evangelische Pfarrer Heiko Kuschel jetzt in Schweinfurt ein Wahlplakat von Freie-Wähler-Kandidat Gerald Pittner entdeckte, auf dem gleich drei Kreuze zu sehen sind, war er „verwirrt“, wie er auf Facebook schreibt. „Kann mir jemand mal erklären, was das bedeuten soll?“, fragt er neugierig. Ein Pfarrer verwirrt durchs Kreuz? Durch drei Kreuze gar? Soweit ist es gekommen. Ein Glück, dass die Schwarmintelligenz auf der Plattform Kuschel helfen kann. Die Kreuze auf dem Plakat sind die drei Kreuze auf dem Kreuzberg in der Rhön. Sie sind das Wahrzeichen für Rhön-Grabfeld, der Heimat des Kandidaten Pittner. Manchmal ist die Welt so einfach.

Erst kommt das Essen – und dann die Wählerstimme. So oder so ähnlich denken immer mehr Politiker, frei nach dem Brecht'schen Motto „Erst kommt das Fressen und dann die Moral.“ Oder so ähnlich. Jedenfalls sind essbare Wahlgeschenke beim Werben um Stimmen gefragter denn je. Und es sind beileibe nicht nur Traubenzucker oder Gummibärchen, die in mit Parteilogo beklebten Tütchen über die Infotische gehen. Die SPD-Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib und Georg Rosenthal berichten dieser Tage auf Facebook, wie sie morgens um 6.15 Uhr am Würzburger Hauptbahnhof Hörnchen („und Wahlinformation“) an die Pendler verteilen. Da wäre man gern vorbeigekommen.

Doch es geht noch besser. CSU-Kollege Manfred Ländner aus Kürnach (Lkr. Würzburg) gibt an seinen Infoständen Gläser mit „Fruchtaufstrich“ aus – nicht nur politisch korrekt produziert aus dem vielen Fallobst dieser Tage, sondern auch noch mit viel Liebe eingekocht von seiner Ehefrau Helga. Jetzt müsste man nur noch irgendwie die SPD-Hörnchen mit der CSU-Marmelade zusammenbringen. Ein GroKo-Frühstück halt.

Selbstgekochtes Essen postet derweil auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Eberhard Sinner aus Lohr (Lkr. Main-Spessart) – einer der es in München bis zum Staatsminister brachte. Mit Brotaufstrich aus Fallobst gibt sich der gelernte Förster Sinner nicht ab, er zeigt einen Topf selbst gemachtes „Weinbergspfirsichchutney“. „Politiker im Ruhestand sind zu allem fähig“, schreibt ein Facebook-Freund voller Respekt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Oder vielleicht doch – der Kommentar eines anderen Freundes: „Und zum Nachtisch gibt's Wildschweingulasch.“

Schließlich sind da noch Politiker, die Wein predigen – und Wasser liefern. Oder so ähnlich. Jedenfalls versprach CSU-Bezirkschef Gerhard Eck bei der Söder-Kundgebung in Schweinfurt lautstark allen Zelt-Besuchern, die keinen Sitzplatz mehr ergattern konnten, einen Gratis-Schoppen. Dass der Wein auch ausgeschenkt wurde, haben wir nicht bemerkt. Stattdessen bekamen alle Besucher für den Heimweg Wasserflaschen mit CSU-Logo in die Hand gedrückt. Die Zeiten waren halt auch schon besser für die Staatspartei.

In der Kolumne „Herr Czygan wählt“ beobachtet Redakteur Michael Czygan die Wahlkampf-Aktivitäten der Politiker abseits der großen Reden, unter anderem in den Sozialen Netzwerken – kritisch, aber mit Augenzwinkern.

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