Berlin

Kommentar: Das wackelige Fundament des Kohleausstiegs

Erst das Rheinland, dann auch die Lausitz, das Mitteldeutsche Revier noch später - nach und nach steigt Deutschland aus der Kohle aus.
Wasserdampf steigt am frühen Morgen aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der Lausitzer Energie Bergbau AG Foto: Patrick Pleul, dpa

In gut 20 Jahren soll hierzulande das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen. Spätestens. So haben es Bund und Länder mit den Energieversorgern in nächtlicher Runde festgezurrt. Die Bundesregierung öffnet dafür die Geldbörse und stellt 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Nur wenn die Kohlekraftwerke abgestellt werden, kann Deutschland so viel Kohlendioxid einsparen, wie es sich international verpflichtet hat. Auf einer Liste des Wirtschaftsministeriums ist deshalb mit Jahreszahlen genau festgelegt, wann welche Turbinen abgeschaltet werden.

Doch diese Festlegung ist auf Sand gebaut. Die Kraftwerke können nur in die Zwangsrente geschickt werden, wenn gleichzeitig deutlich mehr Windräder und Solarfelder gebaut werden als zuletzt. Schon 2030 sollen zwei Drittel des in der Bundesrepublik erzeugten Stromes aus grünen Quellen kommen. Gerade die Windkraft als Lastesel der Energiewende hat allerdings mittlerweile ein massives Akzeptanzproblem. Bürgerinitiativen wehren sich überall in Deutschland erfolgreich gegen die Verspargelung der Landschaft. Die Folge: Es werden kaum noch Windräder gebaut.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Wurden 2017 noch 1800 Windräder an Land aufgestellt, waren es 2018 lediglich 750 und im vergangenen Jahr gar nur 280. Das ist viel zu wenig. Nötig wäre mindestens das Niveau von 2017, damit das Klimaziel erreicht werden kann.

In der Praxis hakt es gewaltig. Von der Planung einer Windturbine bis zum Anschluss an das Stromnetz vergehen sieben Jahre. In der Zwischenzeit ist eine neue Generation von Windrädern entwickelt. Banken scheuen es, eine Kreditzusage bei derartigen Planungs-Unsicherheiten zu gewähren. Die Sonnenenergie ist keine echte Alternative zur Windkraft. Zwar stoßen Solarfelder den Bürgern nicht sauer auf, sie verbrauchen aber große Flächen, die von den Äckern abgeschnitten werden müssten.

Die Hoffnung in Berlin ist daher, dass sich die Windkraftgegner mit Geld besänftigen lassen. Von den Gewinnen eines Windrades ginge ein Teil an die Anwohner, so die Überlegung. Ob das funktioniert ist völlig offen. In Bayern und Baden-Württemberg sind sie gut organisiert. Die Landschaft dort ist schön und die Gemeinden sind wohlhabend. Hinter dem Kohleausstieg steht deshalb ein großes Fragezeichen. Im Zweifel müssen die Kraftwerke weiterlaufen, damit Haushalte und Betreibe weiter sicher mit Strom versorgt werden können.

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