München

"Marktplatz der Generationen": Projekt ermöglicht Alter in Würde

Was können Gemeinden tun, um ihren Bürgern ein Altern in Würde zu ermöglichen? Ein Senioren-Projekt will Antworten geben, auch unterfränkische Kommunen sind mit dabei.
Seniorengerecht durch gesellschaftlichen Zusammenhalt: Das Projekt "Marktplatz der Generationen" will Kommunen helfen, auf die alternde Gesellschaft richtig zu reagieren. Foto: Alois Wohlfahrt

Bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden wohnen. Sich möglichst lange selbst versorgen. Wenn es nötig ist, auf Hilfe von außen und gute medizinische Versorgung zurückgreifen können. Im direkten Lebensumfeld gebraucht werden, Kontakte pflegen, aktiv sein. Kurzum: Lebensumstände, die sich jeder Mensch wünscht, um in Würde zu altern.

Immer mehr ältere Menschen leben alleine – auch auf dem Land

Doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert: Früher konnten Mehr-Generationen-Haushalte für ein soziales Netz und direkte Hilfe sorgen. Heute führen wachsende Mobilität und veränderte berufliche Anforderungen oft dazu, dass Kinder und Enkel nicht mehr in direkter räumlicher Nähe der Eltern und Großeltern leben. Besonders auf dem Land steigt zudem der Anteil älterer Menschen. Immer mehr Ältere leben alleine. Auch Nachbarschaftshilfe ist längst nicht überall selbstverständlich.

"Der demografische Wandel gehört zu den größten sozialen Herausforderungen im ländlichen Raum", glaubt Bayerns neue Sozialministerin Carolina Trautner (CSU). Zumal die Geburten starke Generation der "Baby-Boomer" nach und nach in den Ruhestand wechselt. "Gerade für kleine Kommunen auf dem Land ist der Aufbau seniorengerechter Strukturen jedoch eine große Aufgabe", so Trautner.

"Der demografische Wandel gehört zu den größten sozialen Herausforderungen im ländlichen Raum."
Carolina Trautner (CSU), die neue Sozialministerin in Bayern

Bayerns Sozialministerium fördert deshalb bereits seit 2017 ein Projekt, das kleine Gemeinden auf diesem Weg mit Rat und Tat begleiten will: Bereits 42 Kommunen haben am "Marktplatz der Generationen" teilgenommen, davon sechs aus Unterfranken. Am 1. Februar startete eine neue Runde mit 30 weiteren Gemeinden – darunter in Unterfranken Aidhausen (Lkr. Haßberge), Holzkirchen (Lkr. Würzburg), Rannungen (Lkr. Bad Kissingen), Sandberg (Lkr. Rhön-Grabfeld) und die Arnsteiner Ortsteile Altbessingen und Müdesheim (Lkr. Main-Spessart).

Ziel des Projekts: Älteren Menschen helfen im gewohnten Umfeld bleiben zu können

Hauptziel des Projekts: Durch gezielte Verbesserungen des Lebensumfeldes vor Ort der älteren Bevölkerung langfristig einen Verbleib in ihrer Heimat zu ermöglichen. "Der gesellschaftliche Zusammenhalt gerade auf dem Land ist nach wie vor sehr groß", findet Trautner: Das Projekt wolle deshalb dabei helfen, "einen Schub zu geben, damit Engagement vor Ort Spaß macht" – und das Leben für Ältere einfacher wird.

Carolina Trautner (CSU), Bayerns neue Sozialministerin Foto: Marcus Merk

Von professionellen Beratern zweieinhalb Jahre begleitet, sollen die teilnehmenden Kommunen dabei fünf Lebensbereiche in den Blick nehmen: Nahversorgung, Mobilität, Gesundheit und Pflege, gesellschaftliche Teilhabe und altersgerechtes Wohnen. So kann etwa eine fußläufige Nahversorgung durch Dorfläden, Mittagstische oder örtliche Lieferdienste verbessert werden. Mobilität vor Ort soll zudem auch ohne eigenes Auto möglich sein – etwa durch Einkaufshilfen oder organisierte Fahrdienste, aber auch durch den Ausbau der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum.

Erfolg der Maßnahmen hängt vom Engagement der Menschen vor Ort

Körperliche Einschränkungen sollen nicht zum Verlust der eigenen Wohnung führen – was Kommunen etwa durch Beratung für altersgerechte Umbauten oder alternative Wohnkonzepte unterstützen können. Und besonders wichtig: Die Förderung persönlicher Netzwerke in der Gemeinde, um einer Vereinsamung entgegenzuwirken. "Viele ältere Menschen wollen sich und ihre Kompetenzen einbringen", ist Trautner überzeugt. Kommunen können dafür Treffpunkte schaffen, Eigeninitiativen unterstützen, eine politische Seniorenvertretung organisieren oder "Alt-hilft-Jung"-Projekte fördern.

Vieles davon entstehe nämlich längst nicht mehr "einfach so", weiß Karlheinz Dommer von der Landimpuls GmbH, der das Projekt bayernweit betreut. Der Erfolg der Maßnahmen hänge zudem vor allem am Engagement und der Motivation der Menschen vor Ort: "Wir wollen deshalb möglichst viele Bürger gewinnen für die Mithilfe bei der Umsetzung." Die Gemeinden selbst bräuchten zudem organisatorisch wie finanziell einen langen Atem – und die Bereitschaft sich für Partner von außen zu öffnen.

"Doch die Sensibilisierung für das Thema steigt, viele Gemeinden sind heute deutlich weiter, als noch vor ein paar Jahren", findet Dommer. Zwar müsse jede Kommune letztlich ihren eigenen Weg in eine seniorengerechte Zukunft finden: Von positiven Erfahrungen anderer könnten aber alle profitieren.

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