Barcelona

Nach neuer Krawallnacht in Katalonien: Madrid erhöht Druck

Brennende Straßenbarrikade
Brennende Straßenbarrikade in Barcelona: Neue schwere Unruhen haben den Unabhängigkeitskonflikt in Katalonien bedrohlich angeheizt. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa

Nach der fünften Krawall-Nacht in Serie im katalanischen Unabhängigkeitskonflikt hat die spanische Zentralregierung den separatistischen Regionalpräsidenten Quim Torra erneut zu einer klaren Verurteilung der Gewalt aufgefordert.

Auf den Vorschlag von Torra für ein Treffen mit dem sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez antwortete Madrid, erst müsse das Gesetz respektiert werden, dann könne es auch einen Dialog geben. Torra hatte sich am Mittwoch zwar für ein Ende der Gewalt ausgesprochen, diese aber nach Ansicht der Zentralregierung nicht ausdrücklich verurteilt.

Wie die Regional-Behörden in einer jüngsten Bilanz am Samstag mitteilten, wurden am Freitagabend in ganz Katalonien 83 zum Teil minderjährige Demonstranten festgenommen. Unter den Festgenommenen war nach Medienberichten auch ein Fotograf der Zeitung „El País”. Vor den nächtlichen Unruhen hatten nach Polizeischätzung allein in Barcelona rund 525.000 Menschen friedlich gegen die Verurteilung von neun Separatistenführern der abtrünnigen Region im Nordosten Spaniens sowie für mehr Selbstbestimmung demonstriert.

Proteste und Unruhen gab es am Tag eines von den Separatisten ausgerufenen Generalstreiks auch in anderen katalanischen Städten wie Tarragona, Lleida und Girona. 182 Menschen, darunter 22 Polizisten und zwei Journalisten, wurden nach Angaben der Regionalbehörden allein am Freitag in ganz Katalonien verletzt. Ein Polizist und ein Demonstrant wurden demnach schwer verletzt.

Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska reiste am Samstag nach Barcelona, um einige der Verletzten zu besuchen und mit seinem katalanischen Kollegen Miquel Buch zu sprechen. Anschließend sagte er dort vor Journalisten, die Polizei habe nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit agiert. Die Regionalregierung war zuvor am Samstag zu einer Krisensitzung zusammengekommen.

Nach übereinstimmender Einschätzung von Medien und Politikern wurde am Freitag die gewalttätigste Nacht seit dem Wiederaufflammen des Konflikts nach Bekanntgabe der Urteile am vorigen Montag registriert. Innenminister Buch sagte dem TV-Sender La Sexta in der Nacht zum Samstag, „eine solche extreme Gewalt” habe es in Katalonien „noch nie gegeben”. Die Zahl der gewalttätigen Demonstranten wurde auf mehr als 4000 geschätzt.

Vermummte und dunkel gekleidete Antifa-Aktivisten, die in dieser großen Zahl erst seit kurzem an den Separatisten-Protesten teilnehmen, errichteten in Barcelona auch am Freitagabend brennende Barrikaden. Sie rissen Verkehrsschilder aus dem Boden, setzten Müllcontainer in Brand und bewarfen die Polizisten mit Steinen, Eiern und anderen Gegenständen. Die Polizei setzte unter anderem Gummigeschosse, Tränengas und erstmals auch Wasserwerfer ein. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender RTVE sprach von einer „wahren Schlacht”.

Das Oberste Gericht in Madrid hatte am Montag sieben ehemalige Politiker der Konfliktregion und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden hatte. Wegen ihrer Rolle bei dem illegalen Abspaltungsreferendum vom Oktober 2017 wurden sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Seither gibt es in Katalonien massive Proteste von Separatisten. Ein Ende der Unruhen ist nicht in Sicht.

Barcelona
Brennende Straßenbarrikade in Barcelona: Der Protest gegen die Haftstrafen für neun Separatistenführer wird gewalttätiger. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Proteste in Katalonien
Demonstranten sind auf dem Weg ins Zentrum von Barcelona. Foto: Joan Mateu/AP/dpa
Polizisten im Einsatz
Polizisten wurden von Demonstranten mit Farbe beworfen. Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Motorisierter Protest
Demonstranten stehen auf einem Traktor und schwenken katalanische Fahnen. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Massen-Demonstration
Ein großer Demonstrationszug auf dem Weg ins Zentrum der Stadt. Foto: Joan Mateu/AP/dpa
Generalstreik in Barcelona
Eine Demonstrantin steht vor Barcelonas Wahrzeichen, der Sagrada Familia. Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Polizeieinsatz
Sicherheitskräfte gehen gegen Demonstranten vor. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Proteste in Barcelona
Ein Demonstrant steht in der Nacht vor einer brennenden Barrikade. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa
Wahrzeichen nicht erreichbar
Die Zugänge zur Sagrada Familia sind blockiert. Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Zusammenstöße
Demonstranten fliehen vor Polizisten. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa
Bewaffneter Einsatz
Die Polizei setzte nach eigener Aussage Schaumgeschosse ein. Foto: Joan Mateu/AP/dpa
Rechte Proteste
Auch Rechtsextreme, die die spanische Einheit unterstützen, gingen in der Nacht zu Freitag auf die Straße. Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Proteste und Ausschreitungen
Die Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens protestieren in Barcelona gegen die harten Urteile gegen neun Führer der Separatisten. Foto: Bernat Armangue/AP/dpa

Weitere Artikel

Schlagworte

  • dpa
  • Aufruhr
  • Bücher
  • Demonstranten
  • Demonstrationen
  • Innenminister
  • Polizei
  • Polizistinnen und Polizisten
  • Separatisten und Unabhängigkeitskämpfer
  • Sozialer oder politischer Protest
  • Tränengas
  • Wasserwerfer
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!