WÜRZBURG

Pro Dienstpflicht: Keine Rechte ohne Pflichten

Jeder Mensch in Deutschland hat Rechte, auf die er sich berufen kann. Dazu gehört das Recht auf Bildung, auf freie Meinungsäußerung und auf körperliche Unversehrtheit. Doch es gibt keine Rechte ohne Pflichten. Ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr wäre Freiheitsberaubung? Wohl kaum, schließlich sind in unserer Gesellschaft andere Pflichten, wie die Schulpflicht, die die Freiheit zumindest in Teilen einschränkt, fest verankert. Und auch die Zeit bei der Bundeswehr, zu der junge Männer in Deutschland bis 2011 verpflichtet waren, war nicht für große Freiheiten bekannt. Mit dem Grundgesetz vereinbar war sie dennoch.

Die Angst vor rechtlichen Schwierigkeiten, die von einigen Kritikern als Argument gegen ein Pflichtjahr vorgebracht wird, ist also unbegründet – es würden sich Wege finden lassen, das Gesellschaftsjahr rechtskonform zu etablieren. Und auch die Aussage von FDP-Chef Christian Lindner, der den Pflichtdienst als verschwendete Lebenszeit bezeichnete, ist so nicht hinzunehmen. Denn wer die Pflege kranker Menschen oder den Dienst beim Militär als verschwendete Lebenszeit diffamiert, verspottet indirekt alle Menschen in sozialen Berufen und alle Soldaten.

Den eigenen Horizont erweitern

Profitieren würden von dem Jahr Auszeit vor allem die jungen Menschen selbst. Sie könnten ihren Horizont erweitern und Arbeits- und Lebensbereiche kennenlernen, die ihnen bisher fremd waren. Viele Jugendliche verordnen sich solch ein Jahr „Pause“ ohnehin selbst. Warum sollten sie es nicht in Deutschland verbringen und dort wichtige Aufgaben erfüllen, statt durch Australien oder Neuseeland zu reisen? Warum sollten sie nicht jene Gesellschaft unterstützen, die ihnen ein sorgenfreies Aufwachsen ermöglicht hat?

In diesem Jahr könnten die Jugendlichen ihre soziale Blase zu verlassen und Menschen kennenlernen, die aus anderen Gesellschaftsschichten stammen und sich in anderen Lebensphasen befinden. In einer Gesellschaft, die zunehmend auseinanderdriftet und in der radikale Kräfte von der Angst vor allem Fremden profitieren, würde das dazu beitragen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Die Einblicke in fremde Lebenswelten würde den Jugendlichen zeigen, wie die Welt wirklich ist – und dass sie nicht dem auf Hochglanz polierten Instagram-Ideal entspricht.

Freund und offenes Ohr

Letztlich wäre auch der Profit, den die Gesellschaft aus dem Projekt Gesellschaftsjahr ziehen könnte, beträchtlich. Die Bundeswehr hätte wieder ein adäquates Mittel, um ihre Personalsorgen zu bekämpfen. Und in der notorisch unter Personalmangel leidenden Pflege könnten die Helfer genau dort eingreifen, wo den Fachkräften meist die Zeit fehlt: Sie könnte die persönliche Betreuung stärken – Ansprechpartner, Freund und offenes Ohr sein.

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