München

Sozialverband VdK fordert tiefgreifende Rentenreform: "Gerechtere Rente für alle"

Etwa jeder vierte Rentner in Bayern ist von Altersarmut betroffen. Dies kritisiert der Sozialverband VdK scharf und fordert eine fundamentale Reform der Rente.
Für viele Rentner sei Bayern längst unbezahlbar, findet der Sozialverband VdK. Um die Altersarmut zu bekämpfen, müsse es deshalb künftig eine gerechtere Rente für alle Menschen geben. Foto: Felix Kästle, dpa

Der Sozialverband VdK fordert ein gerechteres Rentensystem für alle Menschen in Bayern: Auch im vermeintlich reichen Freistaat dürfe man sich an Altersarmut nicht gewöhnen, verlangte die VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher: "Bayern ist schön, aber teuer. Und für bestimmte Bevölkerungsgruppen unbezahlbar."

Laut Mascher ist etwa jede vierte Rentnerin in Bayern von Armut bedroht. Viele Rentner, die aufgrund ihrer niedrigen Rente Anspruch auf Grundsicherung hätten, würden zudem aus Scham erst gar keinen Antrag stellten. Sie könne deshalb nicht nachvollziehen, wenn etwa Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) behaupte, dass Altersarmut in Bayern kein wirkliches Problem sei. "Man muss da schon genauer hinschauen", findet Mascher.

VdK: Gefahr späterer Renten-Armut trotz Vollzeitbeschäftigung

Laut VdK liegt die Bestandsrente in Bayern im Schnitt bei 1179 Euro für Männer und 680 Euro für Frauen. Die Schwelle zur Armutsgefährdung in Bayern liege laut Statistischem Bundesamt aber schon bei 1114 Euro. Doch auch für künftige Rentner-Generationen zeichne sich bereits eine große Armutsgefahr ab: So bekämen im Freistaat mehr als 76 000 Menschen trotz einer Erwerbstätigkeit als "Aufstocker" Sozialleistungen, die später nicht bei der Rente angerechnet werden: "Diese Menschen laufen schnurstracks in die Armut – trotz Vollzeitbeschäftigung", warnt Mascher.

VdK-Präsidentin Verena Bentele fordert deshalb substanzielle Änderungen im Rentensystem. So müssten, wie etwa in Österreich, "alle erwerbstätigen Menschen, egal ob Beamter oder Angestellter, Selbständiger oder Managerin, einzahlen". Damit könnten "die Renten steigen, ohne dass die Beiträge angehoben werden müssen", glaubt Bentele. Notwendig seien zudem eine Abschaffung der Renten-Abschläge bei Erwerbsminderung, eine Grundrente für alle ohne Bedarfsprüfung oder eine Anrechnung der Pflege von Angehörigen für die Rentenhöhe.

"Wieso werden Renten besteuert, Vermögen aber nicht?"
VdK-Präsidentin Verena Bentele

Bei der Grundsicherung müsse es zudem auch für die gesetzliche Rente einen Freibetrag geben, damit Rentenerhöhungen ausgerechnet für ärmere Rentner nicht durch Anrechnung verpuffen. "Und wieso werden Renten besteuert, Vermögen aber nicht?", fragt Bentele. Wenn Reiche immer reicher werden, Rentner aber immer ärmer, so sei dies "sozialer Zündstoff".  Mit nun über 700 000 Mitgliedern allein in Bayern sei der VdK stark genug, Druck zu machen, hofft Bentele: "Unsere zahlreichen Mitglieder werden sich lautstark melden und sich auch in der Politik Gehör verschaffen."

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