Würzburg/München

Tödliche Tragödie: Polizei-Azubi erschießt Kollegen

Würzburger Bereitschaftspolizei
Vor der Einfahrt zur Mainau-Kaserne, dem Sitz der Bereitschaftspolizei III. Foto: Nicolas Armer

Ein Auszubildender der Bereitschaftspolizei hat in Würzburg einen anderen Polizeischüler wohl versehentlich erschossen.

„Nach momentanem Stand der Dinge sieht es danach aus, dass ein Polizeikollege seine Waffe nicht richtig entladen hat und noch ein Schuss im Lauf war”, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in München. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass die Kugel den jungen Mann am Kopf traf. Gegen den 19-jährigen Schützen wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Nach Angaben der Polizei befanden sich der Polizeischüler und sein 20-jähriger Kollege kurz vor Dienstbeginn am Donnerstagabend in einem Unterkunftszimmer der Bereitschaftspolizei. „Darin muss es zu der unbeabsichtigten Schussabgabe durch den Jüngeren der beiden gekommen sein”, sagte Polizeihauptkommissar Michael Zimmer. Ein anderer Polizist hörte den Schuss und eilte in den Raum, wo er die beiden jungen Männer fand - den einen lebensgefährlich verletzt, den anderen unter Schock. Der angeschossene Azubi erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Wie genau es zu der Tragödie kam, wollte die Polizei am Freitag mit Verweis auf aktuelle Ermittlungen nicht bekanntgeben. Herrmann ging davon aus, dass es sich um menschliches Versagen handelte: „Alle Polizeibeamten lernen, wie man seine Waffe richtig entlädt. Das gehört standardmäßig zum Programm und es ist überaus bedauerlich, wenn klare Vorschriften über das Handling mit der Waffe nicht richtig beachtet werden.”

Bereitschaftspolizisten müssen ihre Waffe nach Dienstende immer entladen. Nur leere Pistolen dürften mitgenommen werden, sagte Herrmann. Das sei auch in diesem Fall so beabsichtigt gewesen. „Es kann passieren, dass ein Kollege zwar das Magazin aus der Waffe nimmt, aber vergisst, dass die Pistole noch geladen ist”, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bayern, Peter Schall. Nur so könne er sich erklären, warum sich auf dem Zimmer ein Schuss lösen konnte. „Der Dienstführer hätte in diesem Fall aber bemerken müssen, dass eine Patrone zu wenig abgegeben wurde”, sagte Schall.

Einen Zusammenhang mit den neuen Polizeipistolen sah Herrmann nicht. Damit die Beamten in Gefahrensituationen schneller reagieren können, haben die Waffen keine zusätzliche Sicherung mehr - einmal geladen, kann man einfach den Abzug betätigen. Klar sei aber: „Völlig unbeabsichtigt kann sich ein Schuss nicht lösen, es muss jemand den Abzug betätigt haben. Die Waffe kann nicht von alleine losgegangen sein”, sagte Herrmann.

„Die geladenen Waffen sind saugefährlich”, bestätigte auch Schall. Strengere Regeln brauche es aber nicht: „Die Vorschriften reichen aus, wenn sich alle daran halten.” Er bedauere den „tragischen Fall” sehr, menschliches Versagen könne man aber nie ganz verhindern.

Tatsächlich kommt es immer wieder zu unbeabsichtigt abgegebenen Schüssen. Wie etwa vor rund einer Woche in Würzburg: Dort hatte ein Polizist eine Fensterscheibe durchschossen, weil er dachte, dass seine Waffe nicht geladen sei. Im Dezember 2017 wurde nahe dem Weihnachtsmarkt in Hannover ein Schuss aus einer Maschinenpistole ausgelöst, als ein Polizist die Waffe an einen anderen überreichte. Das Projektil schlug wegen eines Bedienungsfehlers auf dem Boden ein, niemand kam zu Schaden.

Doch sind auch schon Menschen verletzt und getötet worden. Im August 2014 etwa löste sich bei einer Fahrzeugkontrolle im brandenburgischen Cottbus versehentlich ein Schuss. Der Fahrer wurde am Kopf getroffen und fiel ins Koma. Der Polizist wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung im Amt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. In Hamburg wiederum wurde im März 2010 ein Zivilfahnder vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen, nachdem sich bei einem Einsatz unbeabsichtigt ein Schuss löste und einen 27-Jährigen tötete.

Nach Informationen des bayerischen Innenministeriums kommt es allein in der Bereitschaftspolizei bis zu sieben Mal pro Jahr zu unbeabsichtigten Schüssen. Bei Tausenden Beamten und dem täglichen Umgang mit Munition sei dies aber generell nicht überraschend. Trotzdem wolle man mögliche Konsequenzen genau überprüfen, betonte Herrmann am Freitag. Entscheidend sei, dass auch scheinbar entladene Waffen noch einmal überprüft werden und in dieser Situation nie auf Menschen gerichtet sein dürfen.

In der Unterkunft, in der sich das Unglück abspielte, sind insgesamt einige Hundert Polizisten untergebracht. „Nachvollziehbarerweise sind die anderen Kolleginnen und Kollegen ganz erheblich von den Geschehnissen betroffen”, sagte Zimmer. Bereits in der Nacht sei eine Betreuung der Kollegen und Angehörigen organisiert worden.

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