Berlin

Vizekanzler Stegner? Ex-SPD-Vize fiel auf Telefonscherz rein

Ralf Stegner
Der ehemalige SPD-Vizevorsitzende Ralf Stegner ist auf den Telefonscherz eines Youtubers hereingefallen, der ihm den Posten von Finanzminister Olaf Scholz angeboten hatte. Foto: Guido Kirchner/dpa

Stegner wollte den Fauxpas am Montag auf Anfrage nicht kommentieren. In dem am 5. Dezember veröffentlichten Video gibt sich der AfD-nahe Youtuber Klemens Kilic als designierter SPD-Chef Norbert Walter-Borjans aus. Zuvor hatten Medien darüber berichtet.

Stegner, der SPD-Fraktionschef im Landtag von Schleswig-Holstein ist, reagiert bei dem Anruf überrascht und merkt in dem rund zweieinhalbminütigen Dialog offenbar nicht, dass es sich nicht um Norbert Walter-Borjans handelt.

Sicherlich habe er das Rumoren an der Parteibasis mitbekommen, sagt der Anrufer. Gemeinsam mit der Co-Vorsitzenden Saskia Esken wolle er eine strategische Änderung durchsetzen und auf dem Parteitag ein Signal für einen Neuanfang setzen. Die GroKo solle erhalten, aber der Vizekanzler-Posten „mit einer bekannten, progressiven Stimme” neu besetzt werden.

„Mit Saskia im Gespräch haben wir da an Dich gedacht, was hältst Du davon”, fragt Kilic. Stegner braucht einige Sekunden, um zu antworten. „Da müsste ich einen Moment drüber nachdenken, aber Erfahrung als Finanzminister habe ich tatsächlich”, sagt er. „Und vorstellen kann ich mir das.” Allerdings müsse er zunächst mit seiner Frau reden. Wenig später schiebt Stegner nach: „Wir müssen einerseits da drin bleiben, aber andererseits ein klares Signal setzen, dass es Veränderungen gibt.”

Kilic hatte vor der Landtagswahl Anfang September in Sachsen bereits die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock genarrt, indem er ein kurzes Video mit ihr drehte, das er mit der AfD-Empfehlung beendete: „Blau wählen für Sachsen”.

Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz befand Stegners Verhalten für symptomatisch. „Schön ist das nicht. Aber es zeigt den Zustand der SPD, dass allein ein solcher Telefonanruf so beantwortet wird und solche Schlagzeilen auslöst”, sagte er der „Bild”-Zeitung. „Und dass von einem Youtuber, der ganz eindeutig der rechtsradikalen Szene angehört.”

Kilic wies den Vorwurf zurück, einer rechtsradikalen Szene anzugehören: „Diese bizarre Anschuldigung ist nachweislich falsch.” Er sei „patriotisch-konservativ”, würde sich aber „nicht als rechts bezeichnen”.

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