BERLIN

Warum deutsche Schüler nur Mittelmaß sind

Vorstellung Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie
Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) stellte am Dienstag die Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie der OECD vor. Foto: Wolfgang Kumm, dpa

Fast zwei Jahrzehnte nach dem „Pisa-Schock“ und dem anschließenden Aufwärtstrend zeigt die Leistungskurve der deutschen Schüler wieder nach unten. Die Leistungen der Schülerinnen und Schülern liegen zwar noch über dem internationalen Durchschnitt, wie aus der am Dienstag vorgestellten Pisa-Studie hervorgeht. Die neuen Zahlen zeigen aber auch: Sie bekommen zum zweiten Mal in Folge weniger Punkte. Bildungsministerin Anja Karliczek schlägt nun Alarm und fordert die Länder zu einer „nationalen Kraftanstrengung für Bildung“ auf.

Im Jahr 2001 hatte Deutschland in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften noch unter dem Durchschnitt der in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengeschlossenen Industrieländer gelegen. Ein Aufschrei ging durchs Land, eine Bildungsreform folgte und es ging viele Jahre deutlich bergauf. In der Pisa-Studie 2016 beobachtete die OECD allerdings einen Leistungsrückgang. Und dieser Trend setzt sich fort.

Wie der stellvertretende Generalsekretär Ludger Schuknecht erklärte, erreichten deutsche Schüler im Lesen 498 Punkte – bei der letzten Studie waren es noch 509. In Mathe stehen diesmal 500 Punkte im OECD-Zeugnis, sechs weniger als zuletzt. In den Naturwissenschaften stehen die Deutschen bei 503 Punkten nach 509 Zählern im Jahr 2016, in dem die letzte Pisa-Studie erschien. Am besten schnitten Schüler in China und Singapur ab.

Es sei gut, dass Deutschland über dem Durchschnitt liege, sagte Schu-knecht, stellte aber auch die Frage: „Reicht uns das?“ Die Studie beantwortet diese Frage mit Nein. Der Anteil der leistungsschwachen Schüler, die das Mindestniveau in den Tests nicht erreichen, ist seit 2015 erstmals in allen drei Bereichen wieder gestiegen – und zwar auf 20 Prozent. Eindeutig ist dabei der Befund, dass der schulische Erfolg immer noch stark vom Einkommen der Eltern abhängt. Deutschland gehöre zu einer Gruppe von Ländern, „auf die der sozialökonomische Hintergrund mehr Einfluss hat als im OECD-Durchschnitt“, sagte Schuknecht.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz sagte dazu, die Pisa-Studie zeige, „dass unser Bildungssystem nicht das hält, was es verspricht, nämlich Chancengleichheit“. Der Missstand habe sich in den vergangenen Jahren sogar noch vergrößert. „Deutschland verliert immens, wenn wir weiter hinnehmen, dass die soziale Herkunft wie kein anderer Faktor den Bildungserfolg von Kindern bestimmt“, kritisierte Deligöz, die auch Vizepräsidentin des Kinderschutzbundes ist. Chancengleichheit bedeute, unterschiedliche Voraussetzungen der Kinder anzuerkennen und diese wirksam auszugleichen.

Karliczek betonte, sie sei „zunehmend besorgt“ über den Negativtrend der letzten Jahre. „Wir brauchen einen Aufbruch in der Bildungspolitik“, forderte die CDU-Politikerin. Mittelmaß könne für ein Land wie die Bundesrepublik ohne natürliche Ressourcen „nicht der Maßstab sein“, sagte Karliczek, die „für eine bessere Verzahnung aller Bildungssysteme“ plädiert. Der Bund habe das Problem, dass er mit 16 Ländern sprechen müsse. Deshalb müssten die Länder jetzt eine Antwort finden, wie sie mit dem Angebot des Bundes für die Unterstützung umgehen wollten. Möglicherweise bekommt Karliczek diese Antwort ganz schnell: Die Länderminister kommen am Donnerstag zur Kultusministerkonferenz zusammen.

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