Berlin/Kopenhagen

Weltweiter Klimaprotest in Hunderten Städten

Aktionstag in Berlin
Der Demonstrationszug von Fridays For Future zum Aktionstag für mehr Klimaschutz zieht über die Reinhardtstraße in Berlin. Foto: Christoph Soeder/dpa

Der internationale Protesttag für mehr Klimaschutz ist mit Hunderten Aktionen in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern ins Rollen gekommen.

In Berlin versammelten sich am Freitagmittag Tausende Menschen zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor. Sie folgten einem Aufruf der Klimabewegung Fridays for Future und forderten von der Bundesregierung mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung. Angemeldet sind laut Polizei 50.000 Teilnehmer. Rund zwei Dutzend Jugendliche sprangen aus Protest in der Nähe des Bundestages gar in die Spree - bei Temperaturen von fünf Grad.

Insgesamt hatte Fridays for Future Klimakundgebungen in mehr als 500 deutschen Städten angekündigt. In der Hamburger Innenstadt startete zu einer symbolischen Uhrzeit - um fünf nach zwölf - eine große Klima-Demo, bei der die Veranstalter mit 30.000 Teilnehmern rechnen. „Jugend auf die Barrikaden, weil wir sonst keine Zukunft haben”, rappte der Musiker Courtier dazu.

In Berlin hatten viele Demonstranten Plakate dabei. „Ohne Bäume keine Träume”, war darauf etwa zu lesen. Oder „Artensterben kann Spaß verderben” sowie „Keine Kohle, kein Atom, sondern nur noch Ökostrom”. Ein Schüler sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich hätte gerade eigentlich Geschichtsunterricht. Wichtiger als Geschichte ist jedoch momentan meine Zukunft.”

Auch in Nordrhein-Westfalen liefen die Demos am späten Vormittag an. Allein in Köln, wo zu einem Demo-Zug rund 20.000 Teilnehmer erwartet werden, kamen bereits am Mittag mehrere Tausend Streikende zusammen. Dort wollen Kölsche Bands wie Brings oder Bläck Fööss die Aktionen unterstützen. Vor dem Düsseldorfer Landtag versammelten sich erste Hunderte überwiegend junge Leute. In Freiburg zogen da bereits rund 8500 Menschen durch die Innenstadt. Vor dem Hauptbahnhof in Stuttgart war in den Mittagsstunden eine zentrale Kundgebung geplant.

Die Klimabewegung hat die erneuten Großproteste bewusst auf den letzten Freitag vor dem Start der Weltklimakonferenz in Madrid gelegt. Nach den Großprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September ist es die vierte Auflage eines solchen weltweit koordinierten Protests. In Deutschland richtet sich die Kritik der Aktivisten vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung, das sie als „Klima-Päckchen” und völlig unzureichend bezeichnen.

International sind nach Angaben des Netzwerks über 2400 Städte in 158 Ländern dabei. Traditionell wegen der Zeitverschiebung waren die Australier einige der ersten, die am Freitag aus Protest auf die Straße gingen. Landesweit gab es dort nach Angaben von Fridays for Future Aktionen in 60 Städten mit Tausenden Teilnehmern. Im September waren noch mehr als 300.000 Menschen gekommen. Die wohl am Ende geringere Beteiligung an diesem Freitag erklärt sich nach Einschätzung von Beobachtern auch damit, dass zurzeit eine heiße Prüfungsphase an Australiens Schulen läuft.

Unterstützung erhalten die überwiegend jungen Demonstranten mittlerweile auch von älteren Generationen und vielen Wissenschaftlern. Sowohl auf dem arktischen Eis vor dem deutschen Forschungsschiff „Polarstern” als auch vor der deutschen Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis demonstrierten Wissenschaftler am Freitag für mehr Klimaschutz. Das zeigten Bilder, die eine Wissenschaftlerin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, Melanie Bergmann, auf Twitter teilte.

„Polarforscher vom Süden bis zum Norden danken Fridays for Future dafür, Aufmerksamkeit auf unsere Wissenschaft zu richten!”, schrieb Bergmann dazu. Die Fotos zeigten, wie jeweils ein knappes Dutzend Wissenschaftler vor dem Schiff und der Station Schilder und Plakate hochhielten. Auf dem Plakat der Forscher vor der „Polarstern” stand: „Wir liefern die Fakten. Es ist Zeit zum Handeln!”

Kundgebung am Brandenburger Tor
Fridays for Future hat in mehr als 500 deutschen Städten erneut zu Klimaprotesten aufgerufen. Allein in Berlin sind 50.000 Teilnehmer angemeldet. Foto: Christoph Soeder/dpa
„Braunkohle bleibt Scheiße”
„Braunkohle bleibt Scheiße” steht auf dem Plakat eines Demonstranten in Berlin. Foto: Christoph Soeder/dpa
Düsseldorf
Fünf nach zwölf zeigt ein Wecker auf der Demonstration in Düsseldorf. Foto: Fabian Strauch/dpa
Mose-Projekt in Venedig
Arbeiten am „Mose”-Projekt in Venedig. Immer wieder steht die Stadt unter Wasser, und der Meeresspiegel steigt weiter. Foto: Giorgio Marcoaldi-Cvn
Protest in Hamburg
Demonstranten ziehen über den Rödingsmarkt in Hamburg. Foto: Axel Heimken/dpa
Niedrigwasser im Rhein
Kaum noch Wasser unterm Kiel: Ein Binnenschiff ist im Juli 2018 auf dem Rhein zwischen Bingen und Rüdesheim unterwegs. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Baden gegangen
Aktivisten der „BUNDjugend” protestieren mit einer Bade-Aktion in der Spree gegen das Klimapaket der Bundesregierung. Foto: Christoph Soeder/dpa
Tortin-Gletscher
Retten, was zu retten ist: Helfer rollen im Hochsommer schützende Planen auf dem Tortin-Gletscher in der Schweiz aus. Foto: epa Keystone Olivier Maire/epa Keystone/dpa
Demonstration in Freiburg
„Advent, Advent, die Erde brennt”: Protest in Freiburg. Foto: Patrick Seeger/dpa
Wien
Klimaschutz-Demonstration in Wien. Foto: Herbert Neubauer/APA/dpa
Schulstreik in Seoul
Schulstreik in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Foto: Lee Jin-Man/AP/dpa
Klima-Aktionstag in Rom
Auch in Italien sind Tausende Menschen auf der Straße. Foto: Vincenzo Livieri/LaPresse via ZUMA Press/dpa

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