Brüssel

Wie Europas grüne Zukunft aussehen kann

Für die Rettungsmission von Ursula von der Leyen braucht die EU Strategien – aber auch Nachahmer.
Ursula von der Leyen braucht für ihren Green Deal jegliche Unterstützung. 
Ursula von der Leyen braucht für ihren Green Deal jegliche Unterstützung.  Foto: ARIS OIKONOMOU, AFP

Ursula von der Leyen hat Wort gehalten. Mit einem geradezu unglaublichen Tempo packt die neue EU-Kommissionspräsidentin den versprochenen Umbau Europas an. Es wäre unfair, ihr bereits elf Tage nach der Amtsübernahme vorzuwerfen, dass sie mit ihrem Green-Deal-Entwurf am Mittwoch nur Versprechungen, aber keine Fakten geliefert hat. Die Absichtserklärung war nötig, um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren. Und es bleibt zugleich das größte Manko dieses Paketes. Denn es besteht noch aus Überschriften und Wegweisern, mehr nicht. So kann man die auf Klimaschutz gepolten Bürger ernstnehmen, ohne bereits konkret werden zu müssen. Aber genau darin liegt die Herausforderung. Ein Beispiel: Deutschland hat dreistellige Milliardenbeträge aufgewendet, um jährlich 180 Terawattstunden Strom aus Sonne und Wind zu produzieren. Allein die Chemische Industrie beziffert ihren Jahresbedarf auf 600 Terawattstunden aus regenerativen Quellen. Das muss erreicht werden, wenn Deutschland und Europa klimaneutral werden sollen.

Ein Fahrplan ist eben noch kein machbares Konzept

Man kann das als Herausforderung oder als Chance sehen – oder als unmöglich. Zumindest zeigt schon dieses Beispiel, dass ein Fahrplan eben noch kein machbares Konzept ist. Dabei müsste die Gemeinschaft nicht einmal überall Neuland betreten. Es gäbe viele Möglichkeiten, Energie effizienter zu nutzen und den CO2-Ausstoß spürbar zu senken, wenn längst beschlossene Maßnahmen umgesetzt würden. Experten nennen beispielsweise den Luftverkehr. Wenn der sogenannte Single Sky, also das Lenken und Überwachen der Jets durch zentralisierte Kontrollen, eingeführt würde, könnten ökologisch unverantwortliche Umwege und lange Flüge innerhalb Europas überflüssig sein. Das Einsparpotenzial wird auf mindestens zehn Prozent geschätzt. Doch die Mitgliedstaaten blockieren. Schon werden Rufe im Europäischen Parlament laut, noch vor einer radikalen grünen Wende erst einmal die bereits vereinbarten Maßnahmen umzusetzen, ehe man neue Vorhaben beschließt, die ebenfalls unerledigt bleiben. Das ersetzt kein verstärktes Klimabewusstsein, aber es könnte ein wesentlicher Beitrag sein. Denn es ist keine Strategie, mit immer neuen, schärferen oder niedrigeren Grenzwerten zu argumentieren, wenn diese anschließend nicht erreicht werden.

Für ihren Plan werden jetzt alle gebraucht

Ursula von der Leyen und ihre Kommission brauchen für ihren Plan, der eben kein Luxus, sondern eine Rettungsmission für diesen Planeten ist, alle – vom Premierminister bis zum Bürger. Aber sie wird in jedem Fall auch die großen Emittenten dieser Welt auf ihre Seite ziehen müssen. Der Verweis auf China, Indien oder die USA darf nämlich keine Entschuldigung sein, nichts zu tun. Er ist nur eine Ermutigung für die Absicht der EU-Kommission, Europa zum Vorbild zu machen. Denn um der nächsten Generation eine Erde zu übergeben, die nicht kollabiert ist, braucht die EU Nachahmer. Deshalb muss bei allen Zweifeln über die noch ausstehenden Details das Projekt gelingen. Weil sonst die Kosten für die Folgen des Klimawandels die Aufwendungen für deren Vermeidung übersteigen. Ein grünes Europa ist kein Rückfall, sondern ein Fortschritt. Industrie, Verkehr, privates Leben, Wohnen und Reisen zukunftsfähig zu machen, das wird der Schlüssel dafür, dass es künftig überhaupt noch Wohlstand gibt. Das sollte Europa schaffen – nicht, weil es einfach ist, sondern eben gerade, weil es schwierig wird.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Detlef Drewes
  • Chemische Industrie
  • Europäische Kommission
  • Europäische Union
  • Europäisches Parlament
  • Klimaschutz
  • Luftverkehr
  • Parlamente und Volksvertretungen
  • Präsidenteninnen under Präsidenten der Europäischen Kommission
  • Ursula von der Leyen
  • Verkehr
  • Ökologie
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!