Berlin

Landesbischof findet Gedenken für Opfer in Pandemie wichtig

Bedford-Strohm       -  Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford-Strohm während eines Gottesdienstes in München 2020.
Foto: Sven Hoppe/dpa | Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford-Strohm während eines Gottesdienstes in München 2020.

Der nationale Gedenkakt für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie am Sonntag kommt nach Auffassung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, zum richtigen Zeitpunkt.

Ein solches öffentliches Gedenken sei „sehr wichtig”, sagte der Landesbischof der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die Sterbezahlen sind so dramatisch, dass wir genau das jetzt brauchen. Hier trauert eine ganze Gesellschaft um viel zu viele Tote, das verdient öffentliche Anteilnahme.”

Auf Initiative von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gibt es am Sonntag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin eine zentrale Gedenkveranstaltung für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie. Seit deren Ausbruch vor gut einem Jahr sind in Deutschland fast 80.000 Menschen an den Folgen oder im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Virus gestorben.

Vor dem Gedenkakt mit den Spitzen der fünf Verfassungsorgane und Hinterbliebenen wird in der Gedächtniskirche in Berlin ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Dieser wird von Bedford-Strohm zusammen mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, gehalten. Gedenkakt und Gottesdienst werden live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen.

Auf die Frage, ob Trauer nicht eine sehr persönliche Angelegenheit sei, antwortete Bedford-Strohm: „Das glaube ich nicht. Es gibt auch so etwas wie öffentliche Seelsorge.” Genau diese sei nun notwendig. „Es spielt eine große Rolle, ob Menschen, die trauern, das Gefühl haben, dass sie von einer Gemeinschaft getragen sind, vielleicht sogar von der Gemeinschaft eines ganzen Landes. Wir wissen als Kirche sehr genau, wie wichtig dieses Getragensein durch das Gebet und die Anteilnahme anderer Menschen ist.”

In den zurückliegenden Monaten hätten Inzidenzwerte, virologische Befunde und praktische Fragen des Alltags im Vordergrund gestanden. „Aber was dieses Virus mit der Seele macht, das hat viel zu wenig öffentliche Beachtung gefunden.” Dies beschäftige Menschen in ihrem persönlichen Leben aber massiv. „Ich selbst spüre das in meinen Seelsorge-Gesprächen, wo die Belastung aus den Menschen geradezu heraus platzt.”

Deshalb sei es gut und wichtig, dass jetzt das Thema Sterben und Tod ins Zentrum gerückt werde, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. „Und es ist einfach so, dass dazu öffentliche Akte ein wichtiger Ort sind.” Natürlich hätten die Kirchen dieses Thema permanent angesprochen. „Aber es ist noch mal etwas Anderes, wenn der Bundespräsident sagt: Ich möchte, dass dieser Tag der Tag des Gedenkens an die Opfer von Corona ist, aber auch an die vielen anderen Menschen, die in dieser Zeit gestorben sind und nicht die Begleitung haben konnten, die sie sonst hätten haben können.”

Dass die Kirchen dabei einen vom Fernsehen übertragenen ökumenischen Gottesdienst hielten, sei zentral für sehr viele Menschen, für die Tod und Trauer auch eine religiöse Frage sei. „Ihnen hilft ihr Glaube dabei, mit dieser Situation umzugehen. Es ist wichtig, dass Themen wie die Endlichkeit, die Unkontrollierbarkeit, die Ohnmacht bei dieser Frage einen klaren Ort haben, der darüber hinaus weist und von Hoffnung und Zuversicht spricht.”

Für Menschen, die eine extreme Ohnmachtserfahrung machten, weil sie einen Menschen verlieren - oft auch in kurzer Zeit - und einfach nichts tun können, sei es wichtig zu wissen, „dass es viele andere Menschen gibt, die an sie denken, die für sie beten, die mitleiden und verstehen, wie es ihnen jetzt geht”, sagte Bedford-Strohm. „Das ist auch eine öffentliche Sache. Und wenn das die Kirchen öffentlich sagen, wenn das der Bundespräsident öffentlich sagt, dann hilft das.”

© dpa-infocom, dpa:210416-99-224590/3

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