Berlin

Minister: „Zu früh für Abschaffung der Maskenpflicht”

Mit Maske       -  Eine Schülerin setzt sich vor dem Betreten eines Schulgeländes in Frankfurt am Main eine Einweg-Maske auf.
Eine Schülerin setzt sich vor dem Betreten eines Schulgeländes in Frankfurt am Main eine Einweg-Maske auf. Foto: Boris Roessler/dpa

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat ein Ende der Maskenpflicht in der Corona-Pandemie in weite Ferne gerückt.

„Solange wir im Durchschnitt täglich mehrere Hundert neue Infizierte haben, wird sie überall bleiben müssen, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten wird”, sagte der CDU-Politiker der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (Samstag). „Ich bin weder Gesundheitspolitiker noch Virologe, aber für eine generelle Abschaffung der Maskenpflicht ist es eindeutig zu früh.” Zwar müssten Mediziner und Politik neu nachdenken, „wenn wir bei den Infektionen dauerhaft zweistellig sind”, es gebe aber „keinen Automatismus”.

Im Moment ist nicht absehbar, dass die Zahl der registrierten Neuinfektionen in Deutschland dauerhaft unter 100 pro Tag sinkt. Seit Anfang Juni schwanken die bundesweiten Zahlen abhängig vom Wochentag zwischen rund 150 und gut 500 - von einzelnen Ausreißern nach regionalen Ausbrüchen abgesehen. Das Robert-Koch-Institut meldete am Samstag 378 neue registrierte Corona-Infektionen innerhalb eines Tages.

Es gibt aber auch Regionen, aus denen so gut wie keine Neuinfektionen mehr berichtet werden. So meldeten mehr als ein Viertel der Land- und Stadtkreise keine neuen Ansteckungen binnen sieben Tagen. Für die Zeit nach den Sommerferien, wenn viele Reisende zurückgekehrt sind und der Schulbetrieb beginnen soll, befürchten viele aber wieder einen Anstieg der Zahlen.

Altmaier betonte: „Wir müssen weiter vorsichtig sein. Übermut und dadurch ausgelöste neue Infektionswellen schaden der Wirtschaft am Ende am meisten.”

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, angesichts der niedrigen Infektionszahlen im Norden Anfang August ein Ende der Maskenpflicht im Handel seines Landes zu beschließen. Er war damit auf breite Kritik gestoßen, der Vorstoß wurde von der Staatskanzlei seines Landes relativiert.

Auch der CDU-Politiker Norbert Röttgen wandte sich gegen eine zu schnelle Lockerung der Maskenpflicht. „Wir sind noch nicht durch mit der Pandemie. Der Sommer mag da etwas trügen”, sagte der Kandidat für den CDU-Vorsitz den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Print: Montag). „Distanzhalten, Maskentragen und Händewaschen sind die wirksamsten Schutzmaßnahmen. Ich halte es für wichtig, das in den Köpfen wachzuhalten. Der Mund-Nase-Schutz mag lästig sein, wirklich belastend ist er aber nicht.”

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warnte davor, das Virus zu unterschätzen, „auch wenn man jung und gesund ist”. „Die Symptomspannbreite reicht vom milden Verlauf über Langzeitschäden bis zum Tod”, sagte er der „Rheinischen Post” (Samstag). „Solange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir alle vorsichtig bleiben. Wirtschaft und Gesellschaft ein zweites Mal herunterzufahren, hätte eine verheerende Wirkung - für den Arbeitsmarkt, wo große Jobverluste drohten, wie für viele Unternehmen, die nicht die Kraft hätten, einen zweiten nationalen Shutdown zu überstehen.”

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sprach sich ebenfalls gegen einen vorschnellen Verzicht auf Sicherheitsvorkehrungen aus. „Wir sollten jetzt nicht alle denkbaren Möglichkeiten der Lockerungen ausreizen, sondern immer mit einem gewissen Sicherheitspuffer handeln”, sagte die CDU-Politikerin der „Passauer Neuen Presse” (Samstag). „Wir müssen an der gegenwärtigen Maskenpflicht und den Abstandsregeln festhalten”, unterstrich Karliczek. Ein schwerer Rückschlag würde nicht nur die Gesundheit von Menschen gefährden, sondern auch der Wirtschaft schwer schaden. „Dessen müssen wir uns bewusst sein, auch wenn die Regeln manch einen nerven.”

Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth, sagte der Deutschen Presse-Agentur, eine Aufhebung der Maskenpflicht sei nur dann sinnvoll, wenn sich Kunden und Mitarbeiter auch ohne Mund-Nase-Schutz beim Einkaufen wohl fühlten. „Es geht darum, die Maskenpflicht, sobald es die medizinische Situation vernünftig und für Kunden sowie Mitarbeiter sicher erscheinen lässt, abzuschaffen”, fügte er hinzu. Wann der Zeitpunkt dafür gekommen sei, müssten die politisch Verantwortlichen und Wissenschaftler gemeinsam beschließen. Dabei müsse die Bevölkerung transparent über die Grundlagen der Entscheidung informiert werden, denn „nur so ist eine Rückkehr zum angenehmen Shopping-Erlebnis möglich”.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt warnte: „Wir dürfen nicht übermütig werden und müssen wachsam bleiben. Auch wenn die Masken manchmal nerven, sind sie gerade auch ein Zeichen von Solidarität.” Geduld und Rücksichtnahme seien weiter wichtig - „auch das macht den Zusammenhalt unserer Gesellschaft aus”.

© dpa-infocom, dpa:200711-99-755317/4

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