London

Nach Wahlsieg: Boris Johnson feiert seinen Triumph

Alter und neuer Premier       -  Boris Johnson gibt vor seinem Amtssitz in der Downing Street eine Erklärung ab.
Foto: Steve Taylor/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa | Boris Johnson gibt vor seinem Amtssitz in der Downing Street eine Erklärung ab.

Als strahlender Wahlsieger hat sich der britische Premierminister Boris Johnson am Samstag im Norden Englands feiern lassen.

Die Konservativen hatten bei der Parlamentswahl am Donnerstag in den ehemaligen Bergarbeiter- und Industrieregionen Wahlkreise gewonnen, die seit Menschengedenken in den Händen der Arbeiterpartei Labour gewesen waren. Deren Chef Jeremy Corbyn kam unter wachsenden Druck, Verantwortung für die schwerste Niederlage seit mehr als 80 Jahren zu übernehmen und zurückzutreten.

Johnson sprach in Sedgefield rund 400 Kilometer nördlich von London, in einem Cricketclub vor mehreren Dutzend Anhängern. Es war der einstige Wahlkreis von Labour-Premier Tony Blair, der an die Konservativen gefallen war. „Ihr habt die politische Landkarte verändert”, rief Johnson. Er versprach wie im Wahlkampf Investitionen in Infrastruktur, in Schulbildung und moderne Technologie. Er stellte Freihäfen und Freihandel in Aussicht.

„Wir werden uns unser nationales Selbstbewusstsein zurückholen”, sagte Johnson. „Es brechen wunderbare Zeiten für unser Land an.” Die Konservativen haben 47 Sitze dazu gewonnen und haben jetzt eine satte absolute Mehrheit im Unterhaus.

Die abgewählte Labour-Abgeordnete Anna Turley sagte dem Radiosender BBC Radio 4, in ihrem Wahlkreis sei Corbyn das größte Problem gewesen. Leute, die ihr Leben lang Labour gewählt haben, hätten gesagt: „Ich kann einfach nicht dafür stimmen, dass der Mann Premierminister wird.” Der frühere Labour-Innenminister David Blunkett machte in der „Daily Mail” Corbyn und eine Clique seiner Berater für das verheerende Ergebnis verantwortlich. Er monierte: „Keine Reue, keine Entschuldigung von Jeremy Corbyn.” Er bemühte einen alten Spruch: „Im Namen Gottes: geh! - Und geh schnell.”

Corbyns Söhne brachen dagegen auf Twitter eine Lanze für ihren Vater. Ihr Vater sei von seinen Gegnern auf gemeine Weise angefeindet worden. Corbyn übernahm keine Verantwortung für die Niederlage. Er sagte vielmehr, er habe alles getan, um die Partei gut zu führen. Er will den nötigen Reflexionsprozess noch als Parteichef begleiten und nächstes Jahr zurücktreten.

Während Johnsons Brexitkurs - abgesehen von dem geplanten Austritt aus der EU am 31. Januar - noch unklar ist, machte er seine Haltung zu schottischen Abspaltungstendenzen sehr klar. Im Telefonat mit der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon erteilte er deren Plänen für ein neues Unabhängigkeitsreferendum eine Absage, wie ein Regierungssprecher sagte.

Sturgeon, die den Konservativen mit ihrer Schottische Nationalpartei (SNP) mehrere Parlamentssitze abnahm, will ein Referendum trotzdem vorbereiten. Johnson müsse das Recht der Schotten auf Selbstbestimmung respektieren, sagte sie. Bei einem Referendum 2014 hatte sich die Mehrheit für einen Verbleib im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales, Nordirland) ausgesprochen. Mit dem EU-Austritt, den die Schotten abgelehnt haben, habe sich die Lage aber geändert, argumentiert Sturgeon.

Der Gründer der Brexit-Partei, Nigel Farage, warnte Johnson davor, jetzt mit seiner komfortablen Mehrheit und unter internationalem Druck womöglich einen weichen Brexit anzustreben. Er werde dann wieder Druck machen, warnte er.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
dpa
Arbeiterparteien
Boris Johnson
Brexit
Britische Premierminister
British Broadcasting Corporation
Conservative Party
England
Europäische Union
Jeremy Corbyn
Labour Party
Nigel Farage
Parteivorsitzende
Premierminister
Regierungssprecher
Schottische Nationalpartei
Schottland
Tony Blair
Twitter
Wahlsiege
englische Queen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!