Hannover

Terror-Depot könnte von Revolutionären Zellen stammen

Mögliche RAF-Hinterlassenschaften im Wald entdeckt       -  In diesem Wald bei Seevetal in Niedersachsen sind in einem Erddepot möglicherweise Hinterlassenschaften der linksterroristischen RAF gefunden worden.
Foto: Axel Heimken/dpa | In diesem Wald bei Seevetal in Niedersachsen sind in einem Erddepot möglicherweise Hinterlassenschaften der linksterroristischen RAF gefunden worden.

Das vor einer Woche entdeckte Erddepot bei Seevetal mit Material zum Bombenbau könnte nach neuen Polizeierkenntnissen von den Revolutionären Zellen (RZ) angelegt worden sein.

Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen hatte nach erstem Augenschein auf ein Depot der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) aus den frühen 1980er Jahren geschlossen.

Mittlerweile deute die Auswertung der sichergestellten Schriftstücke eher auf Urheber aus den Reihen der Gruppierung Revolutionäre Zellen, sagte eine LKA-Sprecherin m Hannover. „Bei den Schriftstücken handelt es sich unter anderem um Anleitungen zur Herstellung von Brand- und Sprengsätzen.” Auch gehe es um Wundversorgung, zum Beispiel bei Schussverletzungen.

Bei Waldarbeiten südlich von Hamburg war vergangenen Freitag ein vergrabenes Kunststoff-Fass mit alten Dokumenten und Chemikalien entdeckt worden. Die Gegenstände müssten noch weiter auf Spuren untersucht werden, sagte die Sprecherin. Erst danach werde eine abschließende Zuordnung möglich sein.

Die RAF hatte Anfang der 1980er Jahre eine Kette von Waldverstecken eingerichtet. Die Entdeckung des zentralen Depots in Heusenstamm bei Frankfurt 1982 führte dazu, dass mehrere Terroristen aufflogen.

Auch der Ex-Terrorfahnder Rainer Hofmeyer sieht keinen Bezug des Seevetaler Fundes zur Rote Armee Fraktion. „Ich schließe aus, dass es sich um ein RAF-Depot handelt„, sagte der frühere Leiter der Terrorismusabteilung im Bundeskriminalamt dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel”.

Im Gegensatz zum jetzt entdeckten Versteck hätten sich in RAF-Depots stets Waffen, Munition, gefälschte Papiere und Geld gefunden, aber keine „Pamphlete der Revolutionären Zellen”. Auch habe die RAF bei ihren Anschlägen nicht Salz- und Schwefelsäure verwendet, wie sie in Seevetal gefunden wurden, sagte Hofmeyer den Angaben nach.

Auf das Konto der Revolutionären Zellen sollen von den 1970er bis zu den 1990er Jahren bis zu 300 Anschläge gehen, meist gegen Gebäude. Es gab aber auch Gewalt gegen Menschen. Anders als die RAF im Untergrund lebten die meisten RZ-Mitglieder in der Legalität. Das LKA stellte für kommende Woche Angaben zum Ermittlungsstand in Aussicht.

© dpa-infocom, dpa:210122-99-132089/2

Themen & Autoren
dpa
Anschläge
Bundeskriminalamt
Dissident
Landeskriminalämter
Munition
RAF
Rote Armee
Schussverletzungen
Terroristen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!