RIGA/BRÜSSEL

Am 1. Januar bekommt Lettland den Euro

Die Umstellung hat begonnen. Schon seit Tagen erinnern die lettischen Medien alle zwei Millionen Einwohner daran, ihre bisherige Währung – den Lats (LVL) – auf Girokonten einzuzahlen und auch kein altes Bargeld mehr abzuholen, damit die Einführung des Euro am 1. Januar 2014 reibungslos über die Bühne geht. Humorvoll werden manche Fernsehspots mit dem Slogan „Lat it be“ nach dem alten Beatles-Hit „Let it be“ untermalt. Die Botschaft lautet: Alles wird besser, wenn man erst zur europäischen Währungsunion gehört.

Aber nur 18 Prozent der Menschen sind davon wirklich überzeugt, insgesamt 48 halten ihn mehr oder weniger für etwas Positives. „Es war viel von drohenden Preiserhöhungen die Rede“, räumt Finanzminister Andris Vilks ein, der nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Valdis Dombrovskis Mitte November jetzt sozusagen im Alleingang das Herkules-Projekt stemmen muss. „Wir haben aus den Erfahrungen in Deutschland und Italien zu lernen versucht“, betont er.

Seit Monaten werden viele Preise staatlich erfasst und veröffentlicht. Neben den bisherigen Angaben in Lats wurden Waren und Dienstleistungen bereits in Euro ausgezeichnet. Große Unternehmen haben in einer Vereinbarung mit der Regierung zugesichert, die Preise nicht zu erhöhen. Vilk ist sich sicher: „Diese Maßnahmen werden wirken.“

Die Hoffnungen sind groß. Rigas Außenminister Edgars Rinkevics nennt vor allem die „Versicherung gegen Risiken, die unsere doch sehr wechselhaften Beziehungen zu Russland mit sich bringen.“ Man hofft auf einen wachsenden Zulauf von Investoren, aber auch darauf, dass steigende Löhne nicht die bisherige Preisstabilität – die Inflationsrate liegt bei null Prozent – stören könnten. Rund 400 deutsche Betriebe haben sich in den vergangenen Jahren in dem baltischen Staat niedergelassen und etwa eine halbe Milliarde Euro investiert.

Auch bei der Währungsumstellung ist die Bundesrepublik dabei: Geldscheine im Wert von 110 Millionen Euro lieh man sich bei der Bundesbank aus, 400 Millionen Münzen mit lettischen Symbolen kamen aus Stuttgart von der „Staatlichen Münzen Baden-Württemberg“.

Das 18. Mitgliedsland in der Währungsunion bringt eine wechselvolle Geschichte mit. Auf dem Papier handelt es sich um eines der ärmsten Länder des Euro-Raums – das Bruttoinlandsprodukt liegt pro Einwohner bei 11 263 Euro im Jahr 2013.

Aber selbst die Bundesbank sieht diese Situation nur als Ergebnis eines fast schon beispiellosen Kampfes gegen die Krise 2008, die Lettland aus eigener Kraft gemeistert hat. Anstatt die eigene Währung abzuwerten, entschloss man sich zum Sparen. Tausende Stellen wurden gestrichen, Schulen und Krankenhäuser geschlossen, die Renten um 20 Prozent, die Gehälter der Polizei sogar um 35 Prozent gekürzt. Ein lettischer Diplomat wird mit dem Satz zitiert: „In Italien und Spanien wäre es daraufhin wohl zum Bürgerkrieg gekommen.“

Vorbildliche Finanzdaten

Heute steht das Land mit vorbildlich guten Finanzdaten da. Die Staatsverschuldung liegt bei 42 Prozent des Sozialproduktes, also deutlich weniger als jene 60 Prozent, die die europäischen Spielregeln erlauben. 2005 wurde der Lats bereits an den Euro gekoppelt (1 EUR = 0,7 LVL).

Allerdings haben seit 1989 fast 700 000 Letten der eigenen Heimat den Rücken gekehrt. „Mit der wirtschaftlichen Erholung, mit der wir rechnen, und dem Ausgleich des Lebensstandards hoffen wir auch auf eine Rückkehr der ausgewanderten Mitbürger nach Lettland“, sagt Rigas Botschafter in Wien, Edgars Skuja. Diese Umkehr wäre wohl auch dringend nötig, denn dem Land fehlen Arbeitskräfte, um Investoren wirklich anlocken zu können.

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