STRASSBURG

Bücherfreund, Fußballfan und Kämpfer

Die erste Kampfansage hat Martin Schulz bereits platziert. Anders als die bisherigen Amtsinhaber will er seine Anwesenheit bei den Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs nicht auf ein paar wohlklingende Worte zum Einstand beschränken. Er will mitmischen, er nach seiner Rede nicht vor die Türe geschickt werden. Schulz drängt darauf, dabei zu sein und dabei zu bleiben.

Das hat er früh gelernt. Als junger Fußballer seines Heimatvereins Rhenania 05 Würselen. Nach einer Knie-Verletzung war die Sportlerkarriere am Ende, geblieben ist die Liebe zum Fußball. Sein „wunder Punkt“, wie er schmunzelnd zugibt. Denn eigentlich müsste jemand, der 1955 in Hehlrath bei Aachen geboren wurde, Fan der Alemannia sein. Schulz war es nie. Sein Herz schlägt für den 1. FC Köln um Lukas Podolski, einen Lokalrivalen. Nach der Schule absolvierte Schulz eine Buchhändler-Ausbildung, tingelte anschließend durch diverse Verlage, ehe er eine eigene Buchhandlung eröffnete. Lesen ist bis heute sein großes Hobby geblieben. Er liebt südamerikanische Literatur, den US-Schriftsteller John Steinbeck nennt er seinen Lieblingsautoren.

Mit 31 wird der verheiratete Vater von zwei Kindern Bürgermeister von Würselen, damals das jüngste Stadtoberhaupt Nordrhein-Westfalens. 1994 wechselt er ins Europäische Parlament, 2004 rückt Schulz an die Spitze der Fraktion europäischer Sozialdemokraten. Doch seine Karriere verdankt er einer Beleidigung: 2003 schimpfte der damalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi bei seiner Antrittsrede als EU-Ratspräsident, er werde Schulz als Idealbesetzung eines KZ-Aufsehers in einem Film weiterempfehlen.

Der Deutsche hatte ihn zuvor immer wieder wegen seiner Verstrickung von Politik und eigenen wirtschaftlichen Interessen kritisiert. Vor zwei Jahren musste sich Schulz anhören, er sei ein „undemokratischer Faschist“, weil er den britischen Abgeordneten Godfrey Bloom während seiner Rede mit Zwischenrufen zur Weißglut gebracht hatte.

Im Hintergrund aber gilt der bisherige Fraktionschef Schulz als einer der Architekten jener „großen Koalition“ aus der konservativen Mehrheitsfraktion und seinen Sozialdemokraten, die seit Jahren für stabile Verhältnisse im Straßburger Abgeordnetenhaus sorgen. Dazu gehört auch die Absprache, die Schulz jetzt an die Spitze des Plenums brachte: Christ- und Sozialdemokraten hatten vereinbart, die Amtszeit zu halbieren. Jeweils zweieinhalb Jahre solle ein Vertreter erst der einen, dann der anderen Seite an der Spitze der Parlamentarier stehen.

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