BERLIN

Das große Comeback der Liberalen

Bundestagswahl       -  Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP
Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP Foto: dpa

Sie sind wieder da. Nach vier Jahren in der außerparlamentarischen Opposition zieht die FDP triumphal wieder in den Bundestag ein. Allen voran: Christian Lindner. Als er am Sonntagabend die Bühne des Hans-Dietrich–Genscher-Hauses in Berlin Mitte betritt, tobt die Menge. Drei Mal beginnt er seine Dankesrede wieder von vorn. Man hört ihn kaum. Er wird an diesem Abend gefeiert wie ein Popstar. „Christian, Christian“, rufen seine Unterstützer und halten sein Konterfei, FDP-Fähnchen oder Europa-Flaggen in die Luft.

Vor vier Jahren, nach der letzten Bundestagswahl, sah das alles ganz anders aus. Zu feiern gab es auf der Wahlparty der Liberalen im Herbst 2013 nichts. Knapp scheiterte die FDP erstmals nach 65 Jahren an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Blamage war groß. Es schien, als wollten die Wähler die Partei abstrafen.

Nach vier Jahren schwarz-gelber Koalition war das Image der Liberalen denkbar schlecht. Von Klientelpolitik und von Kapitalismuspartei war die Rede. Von 14,6 Prozent im Herbst 2009 stürzte die Partei auf 4,8 Prozent ab.

Das Ergebnis hatte Folgen: Philipp Rößler gab am Tag nach dem Wahldebakel seinen Rücktritt als Parteichef bekannt. Die gesamte Parteiführung schloss sich an.

Vier Jahr später hat sich das Blatt für die Partei gewendet. Mittlerweile ist die FDP wieder in neun der 16 Landtage vertreten. In Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen stellt sie Minister. Und nun sind sie auch im Bund wieder zurück. Freudestrahlend verkündet Lindner kurz nach den ersten offiziellen Hochrechnungen: „Die Menschen haben uns ein Comeback ermöglicht.“ Der Neuanfang seiner Partei habe sich ausgezahlt. „Ab jetzt gibt es wieder eine Fraktion der Freiheit im Deutschen Bundestag.“ Aus der neuen Chance erwachse aber auch Verantwortung, stellt der Parteichef fest. Die Menschen hätten die FDP schließlich nicht aus Dankbarkeit gewählt. Es gelte, den Auftrag der Wähler ernst zu nehmen und den alten Platz der Partei wieder einzunehmen.

Wo der liegt? „In der Mitte“, meint Lindner und grenzt seine Partei noch einmal klar von der AfD, der drittstärksten Partei nach der Bundestagswahl, ab: „Wir Liberalen sind der klarste Gegenpol zur Abschottung der AfD.“

Obwohl an diesem Abend die gesamte Parteispitze auf der Bühne vor den jubelnden Anhängern im Hans-Dietrich-Genscher-Haus steht, spricht nur der Parteichef. Ob die FDP auch ohne ihren Spitzenkandidaten zurück in den Bundestag gefunden hätte, lässt sich nur vermuten. Den Wahlkampf, so schien es aber, übernahm er praktisch im Alleingang. Das Image der Klientelpartei sollte weichen.

Mit der Parole „Denken wir neu“ rückte Linder Themen wie Digitalisierung, Breitbandausbau, Bildungspolitik und Selbstbestimmung in den Mittelpunkt seiner Partei. Die alten Forderungen nach Steuersenkungen liefen unter ferner liefen.

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