BERLIN/WÜRZBURG

Doping-Skandal: Innenministerium unter Druck

Doping in Deutschland: Nach unserer Berichterstattung über bundesfinanzierte Dopingforschung bereitet die Opposition eine Regierungsanfrage vor. Foto: dpa

An der Universität Freiburg wurde Anfang der 70-er Jahre nicht nur intensive Dopingforschung betrieben, sondern es gab auch finanzielle Ungereimtheiten.

Wie der Berliner Wissenschaftler Giselher Spitzer in einem Beitrag für diese Zeitung schreibt, wurden Fördergelder des Bundesinstituts für Sportwissenschaften teilweise auf ein Privatkonto des Freiburger Sportmediziners Professor Joseph Keul überwiesen.

Dies geht aus der Auswertung der Dokumente hervor, die „Main-Post“ und „Märkische Oderzeitung“ im Bundesarchiv in Koblenz gefunden hatten. Auch kam es bei der Anschaffung eines mobilen Messwagens zu Forschungszwecken durch das Ausstellen von Spendenbescheinigungen zu einer Steuerverkürzung. Diese Einschätzung legen weitere Dokumente nah.

Derweil hat die politische Diskussion über systemisches Doping in der Bundesrepublik Deutschland deutlich an Fahrt und Schärfe zugenommen. Nachdem der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer im Gespräch mit dieser Zeitung erstmals ein nationales Anti-Doping-Gesetz gefordert hat, wächst der Druck auf das für den Sport zuständige Bundesinnenministerium und seinen Chef Hans-Peter Friedrich (CSU) auch von Seiten der Opposition.

„Ich will wissen, was da dran ist“, sagte der SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann, die FDP fordert eine Sondersitzung des Sportausschusses des Bundestages.

Vor allem geht es um die Studie „Doping in Deutschland“, um deren Veröffentlichung es Streit gibt.

Nach dem die Auftraggeber, Deutscher Olympischer Sportbund und das dem Innenministerium unterstellte Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp), den fertigen Abschlussbericht der beiden Forschergruppen aus Berlin und Münster aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlichen wollten, scheint es nun eine Kehrtwende zu geben.

Das Ministerium werde darauf hinwirken, so ein Sprecher, dass der Bericht bald veröffentlicht werde „und damit einer umfassenden fachsportlichen und politischen Diskussion und Bewertung zugänglich ist“.

Für Spitzer, einer der Autoren des Abschlussberichts, geht diese Zusage nicht weit genug: „Es wird wieder auf Zeit gespielt. Mich interessiert nur der Termin, an dem der Bericht veröffentlicht wird.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Wochenende aus einer Version von 2012 des Abschlussberichts zitiert und von einer „kaum glaublichen Doping-Systematik in Westdeutschland“ gesprochen.



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