Endlager in Bergstollen statt unter der Erde

Auf der Ostseeinsel Olkiluoto baut das finnische Unternehmen Posiva ein atomares Endlager, das als eines der ersten der Welt 2020 in Betrieb gehen soll. Der schwedische Geologe Nils-Axel Mörner hat Zweifel an der für Hunderttausende von Jahren nötigen Sicherheit.

Frage: Ist nach Ihrem Wissen und Ihrer Einschätzung der Fels in Olkiluoto für ein nukleares Endlager geeignet?

Nils-Axel Mörner: Jeder Mensch in Nordeuropa wird auf die Frage, ob Posiva die absolute Sicherheit für eine Million Jahre garantieren könnte, mit Nein antworten. Niemand kann so etwas garantieren. Aus geologischer Sicht: Der Plan für das Endlager stammt aus den 70er Jahren und ist danach nicht mehr infrage gestellt worden. Damals ging man davon aus, dass die fennoskandische Kontinentalplatte eine ungewöhnliche Stabilität besitzt. Dies fußte auf Erkenntnissen aus den 50er Jahren. Von ihnen ist heute nichts mehr übrig geblieben.

Was bedeutet das?

Mörner: Die Erdbeben-Aktivität ist heute sehr gering. Für die Endlager-Entscheidung hat man die Werte aus nur 20 Jahren für Prognosen in die weite Zukunft genutzt. In Gegenden mit hoher seismischer Aktivität bewegen sich die Gesteinsplatten drei bis vier Zentimeter im Jahr. Die fennoskandische Platte hat sich aber in den vergangenen 13 000 Jahren um 830 Meter angehoben. Ich habe für Schweden seit der Eiszeit 59 Erdbeben ermittelt – eine hohe Frequenz. Manche lagen weit jenseits der Stufe 8 auf der Richterskala. Also Mega-Ereignisse. Ich selbst habe 2010 nahe Olkiluoto ernste Hinweise auf Deformationen erforscht. Und in diese differenzierte Umgebung etwas reinzupacken in der Hoffnung, dass es dort Hunderttausende oder eine Million Jahre bleibt, funktioniert nicht. Zudem hält es Posiva für ausreichend, die Müllbehälter 50 bis 100 Meter von Bruchzonen entfernt zu lagern. Es müssten aber fünf bis zehn Kilometer sein. Olkiluoto ist vertikal und horizontal durchzogen von solchen Brüchen. Noch etwas: Wir haben Beweise für ungewöhnlich große gefrorene Methangasvorkommen in Olkiluoto, von denen man nicht weiß, wie sie sich verhalten werden. Alles das zusammengenommen hat mich nicht überzeugt, dass das Endlager die Zeit unbeschädigt überstehen wird.

Wie sollen wir mit dem Atommüll umgehen?

Mörner: Ich plädiere für die sogenannte Trocken-Fels-Lagerung: nicht unter der Erde, sondern in einem stabilen Bergmassiv, das im Innern trocken ist. Dort kann man den Müll in Stollen sicher vor Terroranschlägen unterbringen und komplett abschirmen.

Was ist denn der Unterschied zum Lager unter der Erde?

Mörner: Wenn etwas schiefgeht, kann man es da besser kontrollieren. Wissen Sie: Man kann die Natur nicht zähmen. Wir sollten der Freund der Natur sein. Das heißt nicht, dass man keinen technischen Fortschritt will. In 100 Jahren werden wir ein ganz anderes Energiesystem haben. Ich bin sicher, dass wir dann den Abfall von heute nutzen werden.

Die Deutschen suchen nach einem Endlager in Salz, andere in Ton. Wie beurteilen Sie das?

Mörner: Bei Salz denkt man, dass es verformbar ist und Bewegungen im Untergrund ausgleicht. Es gibt keine Risse. Aber es bringt jede Menge anderer Probleme, das chemische Verhalten ist furchtbar. Ton ist durchlässig, trocknet aber bei Wärme aus. Bentonit ist interessant: Es wird als Katzenstreu genutzt, aber auch als Dynamitersatz. Es dehnt sich aus und kann Felsen sprengen. Das zeigt, wie heikel der Umgang damit ist.

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