ANKARA

Erdogan in Berlin: der starke Mann vom Bosporus

Der 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens mit der Türkei ist Recep Tayyip Erdogan eine Reise nach Berlin wert. Schließlich sieht sich der nationalbewusste türkische Islamist, der die Geschicke seines Landes als Premierminister seit bereits achteinhalb Jahren lenkt, als Schutzpatron der rund 2,5 Millionen Deutschtürken, auch wenn viele von ihnen längst deutsche Staatsbürger sind.

Und seine Landsleute in der Fremde feiern den Besucher aus der Heimat. Sie blicken stolz auf eine Türkei, die vom „kranken Mann am Bosporus“ zu einem globalen Champion geworden ist: Beim Wirtschaftswachstum setzte sich die Türkei in diesem Jahr an die Weltspitze, noch vor China. Seit Erdogans konservativ-islamische Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei AKP Ende 2002 an die Macht kam, hat sich das Pro-Kopf-Einkommen mehr als verdreifacht, das Land ist auf Rang 17 der weltgrößten Industrienationen vorgerückt.

Die „Blaue Karte“ kommt

Erdogan gilt als der Magier dieses Wirtschaftswunders. Das hat sich auch nach Deutschland herumgesprochen, wo der Premier in der Vergangenheit mehrere Massenkundgebungen so souverän absolvierte, als handele es sich um Heimspiele in Istanbul oder Ankara. Glühende Bekenntnisse zur Integration türkischer Zuwanderer in Deutschland darf man dabei von Erdogan nicht erwarten. Er möchte seine Landsleute vor allem an die anatolische Heimat, an türkische Traditionen und die islamische Religion binden. Weil Deutschland die doppelte Staatsangehörigkeit nicht zulässt, führt Erdogan jetzt für Auslandstürken die „Blaue Karte“ ein. Sie gibt ethnischen Türken praktisch die gleichen Rechte wie türkischen Staatsbürgern – einschließlich des Wahlrechts.

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