PARIS/SAINT-DENIS

Geplante Autobahn um die Insel Réunion könnte teuerste Straße Frankreichs werden

138 Millionen Euro pro Kilometer: So könnte die neue Autobahn vor Réunion aussehen.
138 Millionen Euro pro Kilometer: So könnte die neue Autobahn vor Réunion aussehen. Foto: Montage: Lavigne Cheron

Eine moderne Autobahn durch den Indischen Ozean, die entlang der Küste der Insel Réunion führt und auf Pfählen ins Meer gebaut ist, an denen sich die Wellen brechen – nicht nur das Projekt selbst klingt gigantisch. Auch sein Preis: Für eine doppelt dreispurige Bahn mit einer Länge von zwölf Kilometern werden 1,66 Milliarden Euro veranschlagt – mindestens! 138 Millionen Euro pro Kilometer.

Das dürfte aus ihr die teuerste französische Autobahn machen, denn die östlich von Madagaskar gelegene Insel ist ein Übersee-Departement sowie eine Region Frankreichs. Nachdem die Planungen bereits seit 2010 laufen, sollen demnächst die Bauarbeiten beginnen, damit die neue Küstenstraße ab 2021 die Hauptstadt Saint-Denis mit dem Hafen verbindet, berichtet das französische Wirtschaftsmagazin „Challenges“.

Das Projekt hat viele Gegner

So traumhaft die Insel auch ist, so wird die Verkehrssituation vor allem rund um die Hauptstadt für viele Inselbewohner mehr und mehr zum Alptraum: Endlos scheinende Staus sind die Regel. Deshalb nennt der Präsident der Region Réunion, Didier Robert, den Ersatz der bisherigen Autobahn „eine absolute Notwendigkeit“. Die alte Straße wurde 1976 für ein Verkehrsaufkommen von 10 000 Autos pro Tag errichtet – heute wird sie von täglich 60 000 genutzt. Außerdem werde die aktuelle „riskante und kostspielige Infrastruktur“ trotz Verbesserungen durch Sicherheitsarbeiten noch immer regelmäßig durch Steinfall beeinträchtigt.

Die neue Straße soll deshalb weiter entfernt von der Felsküste entstehen, Windböen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 Stundenkilometern und zehn Meter hohen Wellen widerstehen. „Heute müssen wir die Straße an 30 bis 40 Tagen im Jahr schließen, was große Verkehrsprobleme hervorruft“, erklärt Robert, der sich von den siebenjährigen Bauarbeiten zudem einen ökonomischen Schub und die Schaffung von 4500 Arbeitsplätzen in einer wirtschaftlich gebeutelten Region erhofft, in der die Arbeitslosigkeit bei 30 Prozent liegt, bei unter 25-Jährigen ist sie sogar doppelt so hoch.

Dennoch hat das Projekt zahlreiche Gegner, die die Justiz eingeschaltet haben, von der politischen Opposition über Bürgervereinigungen bis hin zu Umweltschutzgruppen, die negative Auswirkungen auf Fauna und Flora befürchten. Der Abgeordnete Thierry Robert fordert eine Volksbefragung. Auch unter den drei beauftragten Bauunternehmen herrscht Streit: Die Firma Eiffage will gerichtlich wegen unlauteren Wettbewerbs dagegen vorgehen, dass ihre Konkurrenten Bouygues und Vinci den Löwenanteil des Riesenprojektes zugesprochen bekommen haben.

Die Gegner halten eine Renovierung der aktuellen Straße zwar für notwendig. Doch vor allem die hohen Kosten sind scharf in der Kritik, die sich der französische Staat, die Region und die Europäische Union aufteilen. Während Architekt François Payet von 600 Millionen Euro mehr als veranschlagt ausgeht, rechnet der Zusammenschluss „Nein zur neuen Küstenstraße“ sogar mit Gesamtkosten von drei Milliarden Euro.

Man geht nicht nur von „geologischen und klimatischen Überraschungen“ während der Bauphase aus, auch der geplante Anschluss der neuen Straße an die Hauptstadt gilt als wenig ausgereift. „In Réunion ufern sowieso alle Baustellen aus“, erklärt die Aktivistin Catherine Gaud. Was den Deutschen ihr Berliner Flughafen ist, könnte den Franzosen also die Küstenstraße um Réunion werden.

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