BAD KISSINGEN/WÜRZBURG

Grippewelle rollt an - Bub aus Unterfranken stirbt

Husten, Schnupfen, hohes Fieber – in Bayern ist die Grippewelle angerollt. Seit Oktober 2010 sind 1361 Influenza-Erkrankungen gemeldet worden, allein 1159 Fälle seit Jahresbeginn, teilt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen auf Anfrage mit. „Seit Anfang des Jahres ist die Zahl der Influenza-Erkrankungen deutlich angestiegen“, sagte LGL-Sprecherin Claudia Schuller. Bislang sind fünf Menschen in Bayern daran gestorben, darunter ein zehnjähriger Junge aus Unterfranken.

Der Bub, der aus Nüdlingen (Lkr. Bad Kissingen) stammt, starb am Freitag in einer Münchner Klinik. Er hatte sich seit 20. Januar zur Behandlung einer Adipositas mit seinem Vater in einer Fachklinik bei Bad Tölz aufgehalten und dort am Mittwoch erste Grippesymptome gezeigt. Nach Angaben der ärztlichen Leitung dieser Fachklinik verschlechterte sich sein Zustand bis Donnerstag so sehr, dass er ins Klinikum Harlaching nach München verlegt wurde.

Als der Bub dort eintraf, befand er sich laut Chefarzt Axel Heep bereits „in akuter Lebensgefahr. Seine Chancen waren sehr schlecht“. Am Freitagmittag sei er dann gestorben, „nachdem sein erschöpfter Körper einen septischen Schock erlitten hatte“, teilt das Klinikum weiter mit. Ein pathologischer Befund lag noch nicht vor. Dennoch waren sich die Ärzte im Klinikum Harlaching nahezu sicher, dass der Junge an den Folgen der Schweinegrippe starb.

Nach Angaben ihres Ärztlichen Direktors Carl-Peter Bauer verzeichnete die Fachklinik Gaißach bei Bad Tölz zwei weitere Kinder mit Verdacht auf Schweinegrippe. Warum der Infekt bei dem Nüdlinger Buben tragisch und bei den beiden anderen harmlos verlaufen sei, vermochte Bauer nicht zu sagen. Es gebe eben „schicksalhafte Einzelfälle“.

Die Stimmung an der Volksschule Nüdlingen, die der Junge besuchte, ist offenbar geprägt von Trauer und Verunsicherung. Schulleiter Harald Bötsch beruhigt besorgte Eltern: Bei drei bis fünf Tagen Inkubationszeit könne der Zehnjährige den Infekt erst nach seinem letzten Tag in der Schule aufgenommen haben. Er habe also bestimmt niemand anstecken können.

„Mehr als drei Viertel aller Influenzanachweise im Nationalen Referenzzentrum sind Schweinegrippe (H1N1)“, bestätigt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts in Berlin. „Man kann sagen, wer Grippe hat, hat wahrscheinlich Schweinegrippe.“ Deshalb müsse insbesondere beim Vorliegen von Grundkrankheiten mit schweren Krankheitsverläufen gerechnet werden. Todesfälle bei der Schweinegrippe hatte es in der Grippesaison 2009/2010 weitgehend bei jüngeren Menschen gegeben, während bei der saisonalen Grippe meist ältere Menschen starben.

H1N1 war vor einem Jahr ein neuer, aggressiver Erreger, der unter besonderer Beobachtung stand, erläutert Dr. Rainer Schua, Leitender Medizinaldirektor bei der Regierung von Unterfranken. Epidemielogisch sei Schweinegrippe heute kein Problem mehr. Sie verlaufe nicht schlimmer als eine saisonale Influenza und werde auch genauso behandelt. „Wir werden nicht mehr Kindergärten oder Schulen schließen, nur weil ein Grippefall aufgetreten ist“, so Schua.

Welche der Erkrankungen tatsächlich auf Influenza-Viren zurückzuführen ist, wozu auch das Schweinegrippe-Virus zählt, bleibt in den meisten Fällen unklar. Bei Verdachtsfällen besteht keine Meldepflicht mehr, lediglich beim Nachweis werden die Gesundheitsämter informiert. Insgesamt sei der Grippeverlauf in Unterfranken „moderat erhöht“, sagt Schua. In Stadt und Landkreis Würzburg sind derzeit 46 Fälle gemeldet, in Schweinfurt elf.

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