QUEBEC/NEW YORK

Güterzug explodiert in Kleinstadt

Qualm versperrt den Blick auf die Ortschaft Lac-Mégantic, nachdem Waggons eines Zuges explodiert sind.
Qualm versperrt den Blick auf die Ortschaft Lac-Mégantic, nachdem Waggons eines Zuges explodiert sind. Foto: dpa

Ein Güterzug voller Öl rast führerlos einen Hügel herunter und explodiert mitten in einer Kleinstadt. Was wie ein Drehbuch für einen Katastrophenfilm klingt, ist in Ostkanada furchtbare Realität geworden. Das Unglück trifft die Menschen in Lac-Mégantic an einem lauen Sommerabend. Ein heißer Feuerball rast durch das idyllische Städtchen in Ostkanada. Kurz zuvor ist ein Güterzug mit Kesselwagen voller Rohöl entgleist, Waggons explodieren mit voller Wucht. Die Kleinstadt mit nicht einmal 6000 Einwohnern wird verwüstet, mindestens drei Menschen sterben. Die Behörden befürchten noch mehr Opfer – und rätseln über die Ursache.

Lac-Mégantic ist eine kleine Stadt in der französischsprachigen Provinz Quebec. Sie liegt 250 Kilometer östlich von Montreal und 150 Kilometer südlich der Stadt Quebec. Die Grenze zum US-Staat Maine ist nur zehn Kilometer weiter. Es ist kurz nach Mitternacht, als der Güterzug auf einem Hügel ins Rollen kommt. 73 Kesselwagen voller Öl donnern in das Städtchen. Das Feuer wälzt sich nach dem Knall der Explosionen durch den ganzen Ort. Menschen, die mit einem Drink die ungewöhnlich warme Nacht genießen, rennen um ihr Leben.

Videoaufnahmen von Augenzeugen zeigen aus einiger Entfernung, wie die Flammen meterhoch in den Nachthimmel schlagen. Dann erschüttert eine Explosion nach der anderen den Ort. „Mon Dieu!“, „Mein Gott!“, ruft der Filmer in der französischsprachigen Provinz Quebec. Vor Entsetzen lässt er fast seine Kamera fallen. Die Feuerwehr scheint auf verlorenem Posten zu stehen, obwohl selbst die Kameraden aus den nahen USA sofort angerückt sind. Mehr als 24 Stunden wüten die Flammen.

„Es war wie in einem Kriegsgebiet“, sagte Feuerwehrchef Denis Lauzon noch im Hitzeschutzanzug. Hinter ihm lodern immer noch Flammen aus den Kesseln. „Viele Gebäude sind zerstört. Es ist einfach . . . es ist kaum vorstellbar.“ Die Polizei bestätigt am Sonntag drei Todesopfer. Doch viele Menschen gelten noch immer als vermisst.

Wie kann ein Güterzug mit brennbarem Gefahrengut in einen Ort rasen? Noch dazu ohne Lokführer? Denn der war im Hotel schlafen gegangen – ganz so wie es sein Dienstplan vorsah. Die Frage beschäftigt nicht nur die Behörden, sondern auch die Bahngesellschaft. „Wenn die Bremsen nicht ordentlich angezogen sind, rollt der Zug den Berg runter“, sagte Bahnchef Edward Burkhardt der Zeitung „The Star“. „Aber wir gehen davon aus, dass die Bremsen ordnungsgemäß angezogen waren.“ Ob die Bremsen versagten, ob der Mensch versagte, ob ganz andere Gründe im Spiel waren, das wollen jetzt die Behörden klären. Die Bahngesellschaft hatte sich erst vor zehn Jahren gebildet. „Wir hatten eine sehr gute Sicherheitsbilanz diese zehn Jahre“, sagte Bahnchef Burkhardt. „Damit ist es nun wohl vorbei.“

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