WIEN

„Hannis“ eigensinniger Kurs

Politiker besuchen Flüchtlingslager
JohannaMikl-Leitner Foto: Peter Kneffel (dpa)

Diese Frau stiehlt ihren männlichen Kollegen die Schau: Johanna Mikl-Leitner, 52 Jahre alt, Österreichs Innenressortchefin und zugleich der konservative Gegenpol zu ihrem sozialdemokratischen Chef und Koalitionspartner, Bundeskanzler Werner Faymann. Gemocht werde sie nicht, heißt es in Wien, gehasst aber von vielen. Ihr striktes Vorgehen gegen die Flüchtlinge, die sie zunächst in Zeltstädte pferchte, um die Bundesländer zu zwingen, Aufnahmemöglichkeiten zu schaffen, hat ihr viel Kritik eingebracht.

Die Initiative zur Konferenz der Balkanrouten-Anrainer, die zum Ende dieser Fluchtroute führte, sorgte dafür, dass sie auch in Europa isoliert wurde. Dass sie die Alpenrepublik zu einer „Festung“ ausbaute, Grenzkontrollen auch an den Übergängen zu Deutschland wiederbelebte und am Jahresanfang die eigentliche Initiatorin für die Obergrenze 37 500 Asylbewerber in diesem Jahr war, brachte ihr den Spitznamen „Eiserne Johanna“ ein. Johanna Mikl wuchs als eines von vier Kindern (sie hat eine Zwillingsschwester) im niederösterreichischen Weinviertel auf. Nach dem Studium der Wirtschaftspädagogik ging sie in die Politik und trat in die konservative Österreichische Volkspartei (ÖVP) ein.

2011 holte Bundeskanzler Faymann sie in sein Kabinett. „Sie ist fleißig und will immer gut vorbereitet sein“, sagen ihre Wegbegleiter über sie.

Mikl-Leitner ist Mutter von zwei Töchtern (15 und zehn Jahre alt) und nimmt sich noch die Zeit, mit ihnen Besorgungen zu erledigen. Dass sie gern Inline-Skates fährt, wissen nur wenige. „Hanni“, wie sie von Freunden genannt wird, hat nur noch wenig Zeit. „Schlaf wird eh überbewertet“, sagte sie, nachdem sie den Stress der ersten Monate in ihrem Amt kennengelernt hatte.

Als konservative Politikerin im roten Wien lernte sie zu kämpfen. In Europa blieb sie lange unauffällig – das hat sich in der Flüchtlingskrise geändert. Wenn Mikl-Leitner mit ihrer etwas tonlosen Stimme heute ankündigt, dass Österreich vorerst weiter seine Grenzen kontrollieren will, obwohl die EU-Kommission schon im Mai wieder mit freier Fahrt rechnet, dann zucken die Kollegen zusammen. Emanzipiert habe sie sich, heißt es in Brüssel, sie sei aus dem Schatten auch der deutschen Amtskollegen herausgetreten. Der eigensinnige Kurs gegen die Mehrheit der EU wird ihr zugeschrieben, sie ziehe Kanzler Faymann „regelrecht hinter sich her“, heißt es bei österreichischen Medienvertretern. Foto: dpa

Schlagworte

  • Detlef Drewes
  • Europäische Kommission
  • Flüchtlingspolitik
  • Innenminister
  • Werner Faymann
  • Österreichische Volkspartei
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!