Interview mit "Beef!"-Chefredakteur:

Männer mögen Fleisch. Klar. Der Verlag Gruner + Jahr bringt seit vier Jahren Beef! heraus, ein Herrenmagazin, das sich mit einer ungewöhnlichen Art von Frischfleisch befasst. Das Konzept kommt an. Von Beef! werden pro Auflage bis zu 60 000 Exemplare verkauft. Wir haben mit Chefredakteur Jan Spielhagen über Fleisch, wütende Veganer und kochende Männer gesprochen.

Heute schon Fleisch gegessen?

Jan Spielhagen: Nein. Durch Beef! habe ich mich natürlich intensiv mit dem Thema Fleisch auseinandergesetzt und auch mit den vielen, vielen negativen Folgen wie der Massentierhaltung und der Pervertierung des Fleischpreises. In meiner Familie führte das dazu, dass wir sehr ausgesucht nur noch ganz bestimmte Fleischqualitäten essen. Und das auch selten. Ich persönlich finde die Idee des Sonntagsbratens richtig, dass man Fleischmahlzeiten zelebriert und dass man das zu schätzen weiß. Es ist falsch, wenn Fleisch ein Lebensmittel ist wie jedes andere. Ein Tier ist gestorben. Das sollte man sich bewusst machen und das Nebenbeiessen mit anderen Lebensmitteln erfüllen, aber nicht mit so etwas Wertvollem wie Fleisch.

Dann teilen Sie mit den Veganern ein Bewusstsein für Nahrung …

Spielhagen: Ja, wobei die Veganer natürlich noch viel extremer sind. Ich bewundere übrigens deren Disziplin. Der Veganer sorgt dafür, dass kein Tier mehr leiden muss. Abgesehen von jenen, die er aus Versehen beim Fahrradfahren verschluckt. Das meine ich gar nicht zynisch, sondern sehr ernst. Die machen alles richtig, aber es ist nicht meine Lebensform. Ich glaube, dass wir Menschen mit den Ressourcen, die uns diese Welt gibt, auf eine schonungsvolle Art und Weise doch umgehen dürfen und die auch konsumieren dürfen. Da zähle ich das Tier dazu.

Wie sind Sie auf „Beef!“ gekommen?

Spielhagen: Ich bin Hobbykoch und mir war aufgefallen, dass es keine Zeitschrift gab, die männliche Bedürfnisse ans Kochen befriedigt. Männer und Frauen kochen unterschiedlich. Männer erklären irgendwann das Kochen zu ihrem Hobby und Frauen kommen in der Regel über eine Pflicht zum Kochen. Wenn Männer kochen, dann machen die einen Bohei darum. Für dieses neue Männerkochen gab’s noch keine Zeitschrift. Diese Nische haben wir für uns entdeckt. Wir haben das Herrenmagazin neu erfunden. Früher waren die nackten Frauen offensichtlich die Herausforderung der Männer. Und heute ist es ein Vier-Gänge-Menü auf Sterne-Niveau.

Wie sieht Ihr Leser aus?

Spielhagen: Er ist überdurchschnittlich gut gebildet, in der Regel in leitender Funktion angestellt oder selbstständig. Diese Männer geben ohne mit der Wimper zu zucken bis zu 5000 Euro für einen Grill aus und 600 Euro für ein Messer und kaufen sich ein Stück Fleisch für 200 Euro. Denen geht’s gut, sie sind sehr gesellig und sympathisch. Übrigens lesen auch immer mehr Frauen Beef!.

Wieso hat sich das Kochimage bei Männern geändert?

Spielhagen: Food ist das neue Fashion. Food ist das Thema dieser Generation. Man ernährt sich bewusst, man kocht, man entscheidet sich für bestimmte Ernährungsformen und Lebensweisen. Im Rahmen dieses Trends haben die Männer das Kochen für sich entdeckt. Und das liegt daran, dass es so unglaublich gut geeignet ist als männliches Hobby. Es hat was mit Technik zu tun, mit Handwerk, mit Geräten und mit viel Fachwissen.

„Beef!“ suggeriert: Fleisch ist sexy. Warum stehen Männer so auf Fleisch?

Spielhagen: Das Lebensmittel Fleisch ist unglaublich spannend. Sie können damit viel mehr machen und müssen viel mehr wissen als über eine Karotte. Deshalb haben wir keine Karotte auf dem Titel. Die großen Herausforderungen beim Kochen sind doch der Umgang mit Fleisch und Fisch und Krustentier.

„Beef!“ hat einen Veganer-Shitstorm im Internet hinter sich. Was war da los?

Spielhagen: Wir sind am Anfang sehr missverstanden worden. Da hat man gedacht, da fordert eine Zeitschrift zum unkritischen Konsum von Fleisch auf. Und dann war ich eine Zeit lang so ein bisschen der Antichrist. Da gab’s Aufrufe wie „Tötet Spielhagen“ auf Facebook, die wir aber nicht so ernst genommen haben. Das ist aber ruhiger geworden, weil die gemerkt haben, einen dezidiert kritischeren Umgang als wir mit dem Thema Fleisch werden Sie nirgendwo finden. Am Ende bleibt nur der Hass, dass wir Fleisch essen.

Interview: Lea Thies

Rückblick

  1. Passionsfrucht: Selbst die Kerne kann man essen
  2. Liebstöckel: Gewürz macht Hunger auf mehr
  3. Gesundes Gemüse: In Romanesco steckt viel drin
  4. Was drin steckt: Papayas sind reich an Vitamin C
  5. Gute Sättigung: Kräuterseitlinge sind vielseitig
  6. Heilwirkung: Kurkuma hemmt Entzündungen
  7. Süß und erfrischend: Melonen als Wasserlieferant
  8. Kesselchips: Snack aus ungeschälten Kartoffeln
  9. Würzig und kalorienarm: Staudensellerie hat Saison
  10. Ananas reifen nicht nach: Kalorienarm, aber kein Fettkiller
  11. Schlanker Wasserspender: Gurken sind gut für die Nieren
  12. Heimisches Superfood: Johannisbeeren mit Vitamin C
  13. Schlagkräftiger Stinker: Knoblauch ist stark gegen Keime
  14. Richtig fett: Lachs tut dem Herzen gut
  15. Schlanke Frucht: Auberginen enthalten kaum Kalorien
  16. Kleine Kraftpakete: Eier kann der Körper komplett verwerten
  17. Brunner: „Jeder Betrieb hat Zukunft“
  18. Macht seinem Namen Ehre: Zuckermais ist energiereich
  19. Das verlorene Spargelparadies
  20. Unterfranken und sein Spargel
  21. Sonnenblumenkerne liefern viel Eiweiß
  22. Krampflösend und antibiotisch: Koriander als Heilpflanze
  23. Zuckerschoten sind die feinste Variante der Erbse
  24. Fränkisches Menü zu Ostern
  25. Haselnüsse knapp und teuer
  26. Unruhe bei Beschäftigten von Burger King
  27. BGH überprüft Angaben auf Kinderquark: „Monsterbacke“ vor Gericht
  28. Verwirrung über die neue Lebensmittelverordnung
  29. Fast jeder Dritte will Gesetz gegen vorzeitige Weihnachten
  30. Ökolandbau wächst in Unterfranken
  31. Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln steht auf der Kippe
  32. Aber das Fleisch ist schwach
  33. „Unser Fleisch wird derzeit oft unter Preis verkauft“
  34. Gegrillte Delikatessen auf Rädern
  35. Wein kommt immer öfter vom Discounter
  36. Mildes Wetter: Spargel 14 Tage früher
  37. Die 79. Grüne Woche lockt mit Lebensmitteln aus aller Welt
  38. Zartbitterer Streit um Schokolade
  39. Die Suche nach dem Superhuhn
  40. Fleisch? Gerne Gutes!
  41. Interview mit "Beef!"-Chefredakteur:
  42. Fleisch? Nein danke!
  43. Foodwatch sucht „dreisteste Werbemasche“ für Kinderlebensmittel
  44. Bis zu 50 000 Tonnen Fleisch stammen möglichweise von Pferden
  45. Chronologie: Der Pferdefleisch-Skandal in Europa
  46. 124 deutsche Betriebe von Pferdefleisch-Skandal betroffen
  47. Tierfutter: Entwarnung, aber Bedenken bei Innereien
  48. Pferdefleischskandal weitet sich aus
  49. Nur regionale Lebensmittel auf den Tisch?
  50. In Franken vergammeln tonnenweise Äpfel

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