BERLIN/HILDESHEIM/WÜRZBURG

Jesuit zieht Vergleich mit Judenverfolgung

Angesichts der Missbrauchsfälle am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin rät der Jesuitenpater Friedhelm Mennekes Priestern und Eltern, gegenüber kirchlichen Institutionen nicht zu vertrauensselig zu sein.

Angesichts der Missbrauchsfälle am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin rät der Jesuitenpater Friedhelm Mennekes Priestern und Eltern, gegenüber kirchlichen Institutionen nicht zu vertrauensselig zu sein. „Wenn ich es mit neuen Eltern zu tun bekam, war einer meiner ersten Sätze: Trauen Sie keinem Pfarrer“, sagte der frühere Gemeindepfarrer und langjährige Leiter der Kölner Kunststation St. Peter. Die Kirche verdiene keine größere Vertrauensseligkeit als andere Institutionen.

Wie die katholische Sexualmoral durch die Missbrauchsfälle in der Kritik steht, lesen Sie hier

Auch eine andere Äußerung dürfte für Furore sorgen. Sie stammt von Pater Eberhard von Gemmingen (73). Der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan warnte mit Verweis auf die Judenverfolgung vor einem Generalverdacht gegen seinen Orden. In einem Interview mit der „Heilbronner Stimme“ sagte der Pater: „Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlecht zu machen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen. Man darf nicht von einzelnen Missetaten ausgehen und eine ganze Gruppe verurteilen.“

Außer in Berlin meldeten sich Missbrauchsopfer in Hamburg, Hannover, Göttingen und dem Schwarzwald. Über einen Fall in Hildesheimberichtete der Norddeutsche Rundfunk. Demnach wurde ein Pastor, der sich an Kindern vergangen hatte, 2002 „nach Würzburg versetzt“ und das Verfahren gegen ihn gegen eine Geldbuße eingestellt. Heute arbeite er in der Krankenhausseelsorge in Göttingen.

Bernhard Schweßinger, Sprecher der Diözese Würzburg, erläutert Hintergründe. Demnach war der Geistliche aus Hildesheim rund eineinhalb Jahre zu einer Therapie im Recollectio-Haus der Abtei Münsterschwarzach. Im Rahmen der Therapie habe er gelegentlich in einem Altenheim der Caritas Gottesdienste gehalten.

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