BERLIN

Kann sie auch Kanzlerin?

Annegret Kramp-Karrenbauer
Den CDU-Vorsitz hat Kramp-Karrenbauer gewonnen. Eine Garantie für die Kanzlerkandidatur ist das zwar nicht, aber sie hat die beste Ausgangsposition. Foto: Rainer Jensen, dpa

Vielleicht spricht Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann da ein wenig aus eigener Erfahrung. Manche Politiker, sagte der Grüne in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“, würden im Laufe ihres Aufstiegs scheitern, andere mit ihren Ämtern wachsen. Kretschmann selbst fällt in letztere Kategorie. Außerhalb des eigenen Sprengels lange unbekannt, wurde aus ihm nicht nur ein hochgeachteter Landesvater, sondern er genießt als Querdenker und politischer Philosoph bisweilen sogar Kultstatus. Von ihren Gegnern unterschätzt zu werden, das kennt auch Annegret Kramp-Karrenbauer, die neue Chefin der CDU. Doch Kretschmann ist sicher: „Annegret Kramp-Karrenbauer traue ich zu, dass sie Kanzlerin kann. Sie ist der Typ, der wächst.“ Zumindest eine aktuelle Umfrage stützt diese Einschätzung – viele Deutsche trauen AKK die Kanzlerschaft zu.

Nur 17 Prozent für Friedrich Merz

Bei der Frage nach der nächsten Kanzlerkandidatur der Union hat Kramp-Karrenbauer in der Bevölkerung die größten Sympathien auf ihrer Seite. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov würden sich 26 Prozent wünschen, dass die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin die CDU/CSU in den nächsten Bundestagswahlkampf führt. Nur 17 Prozent sind für Friedrich Merz, der Kramp-Karrenbauer bei der CDU-Vorsitzendenwahl knapp unterlegen war. Gesundheitsminister Jens Spahn kommt sogar nur auf drei Prozent Unterstützung. 29 Prozent wären allerdings mit keinem der drei zufrieden und weitere 25 Prozent machten keine Angaben.

Bei den Anhängern der CDU/CSU fällt das Ergebnis noch deutlicher für Kramp-Karrenbauer aus: 39 Prozent sind auf ihrer Seite, 22 Prozent unterstützen Merz und vier Prozent Spahn. Aber auch hier können sich 18 Prozent mit keiner dieser drei Optionen anfreunden, 17 Prozent machen keine Angaben. Auf noch deutlich mehr Sympathien als in ihrer eigenen Partei trifft Kramp-Karrenbauer bei den Anhängern der Grünen. Hier liegt sie mit 46 zu vier Prozent vor Merz. Ginge es nach den Wählern der FDP und der AfD würde dagegen Merz Kanzlerkandidat der Union werden.

Für das kommende Jahr wünschen sich 45 Prozent der Deutschen zudem eine besonders starke Rolle für Kramp-Karrenbauer. Damit liegt sie laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ auf Platz 1 der abgefragten Spitzenpolitiker. In der Beliebtheit folgt Merkel mit 40 Prozent. Merz landet mit 33 Prozent auf dem dritten Platz – gemeinsam mit Außenminister Heiko Maas (SPD), der denselben Wert erreicht.

Kramp-Karrenbauers Beliebtheit beim Volk dürfte mit Eigenschaften zusammenhängen, die sie auch schon als saarländische Ministerpräsidentin auszeichneten. Die neue Vorsitzende denkt und lenkt pragmatisch, sie ist nicht auf die großen Schlagzeilen, sondern auf Fortschritte im Innern aus, auch wenn es nur kleine Schritte sein sollten. In Zeiten hektischer Betriebsamkeit steht sie für Entschleunigung. Ein CDU-Spitzenpolitiker, befragt nach den Vorzügen Kramp-Karrenbauers, geriet darüber einmal fast ins Schwärmen. Kramp-Karrenbauer sei eine, die sich bei einer Kollision von beruflichen und privaten Terminen im Zweifel für die Familie entscheide, berichtete er. Sie sei keine, die für normale berufliche Termine und der reinen Medien-Show wegen einen Urlaub abbrechen würde. Das sei doch sehr sympathisch, meinte der CDU-Mann, und er dürfte damit vielen Wählern aus der Seele sprechen.

Die Beliebtheit der Saarländerin

Die Journalistin und Autorin des Buches „Annegret Kramp-Karrenbauer, die CDU und die Macht“, Kristina Dunz, unterstrich im Interview mit dieser Redaktion bereits vor dem Parteitag die Beliebtheit der Saarländerin bei den Bürgern. Kramp-Karrenbauer habe zudem das Vertrauen der Kanzlerin, meinte Dunz, die bei AKK und Merkel von einer „Doppelspitze“ sprach. In der Tat hat Kramp-Karrenbauer den Vorteil, dass sie sich auf die Themen der Partei konzentrieren kann. Statements von Merkel waren immer vom Regierungshandeln geprägt. Was wiederum zur Zerrissenheit führen konnte, wie das Beispiel Türkei zeigt: Als Regierungschefin musste Merkel für einen EU-Beitritt der Türkei sein, als Parteivorsitzende hätte sie allenfalls eine privilegierte Partnerschaft vertreten dürfen. Diese Last hat Kramp-Karrenbauer nicht zu tragen, sie kann sich vielmehr mit Merkel die Bälle geschickt zuspielen.

Und das dürfte auch noch eine Weile so bleiben. Eine Stabübergabe der Kanzlerschaft von Merkel an Kramp-Karrenbauer bei Fortführung der Großen Koalition gilt ohnehin als nahezu ausgeschlossen, da die SPD kein Interesse an der Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin hat. Möglich wäre eine vorzeitige Ablösung Merkels bei einem Koalitionswechsel oder bei einer Neuwahl nach einer verlorenen Vertrauensfrage der Kanzlerin im Bundestag. Mit Informationen von dpa

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