BARCELONA

Katalanen wollen frei sein

SPAIN-POLITICS-REGIONS-CATALONIA
Teilnehmerin der Großdemonstration für die Unabhängigkeit Kataloniens in Barcelona. Foto: afp

Hunderttausende Menschen haben am Sonntagnachmittag in Katalonien für die Unabhängigkeit der spanischen Mittelmeerregion demonstriert. In gleich fünf Städten gingen die Menschen auf die Straße und verlangten, nach schottischem Vorbild in einem Referendum über einen eigenen Staat abstimmen zu dürfen. Eine Forderung, die von der spanischen Regierung mit Hinweis auf die Verfassung abgelehnt wird, in der die Einheit des Königreichs verankert ist. Durch den Widerstand von Spaniens Zentralregierung in Madrid haben sich die katalanischen Separatisten, welche die Regionalregierung stellen, bisher aber nicht stoppen lassen. Die größte Kundgebung fand in der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona statt, wo an vielen Häusern Unabhängigkeitsfahnen wehten und sich auch viele Demonstranten in katalanische Flaggen hüllten. Weitere Protestmärsche zogen durch Tarragona, Lleida, Salt und Berga. Die Demonstrationen, zu denen sich 360 000 Menschen angemeldet hatten, standen unter dem Motto: „Wir sind kurz davor, unseren Traum zu erfüllen - die katalanische Republik.“

Der Unabhängigkeitsfahrplan der katalanischen Separatistenregierung sieht vor, innerhalb der nächsten zwölf Monate vollendete Tatsachen zu schaffen. Bereits seit Monaten wird an einer eigenen Verfassung und an der Schaffung staatlicher Strukturen wie etwa einem Sozialversicherungssystem gearbeitet. Bis September 2017 soll Katalonien durch eine einseitige Unabhängigkeitserklärung von Spanien abgenabelt werden. Katalonien pflegt seine eigene Kultur sowie Sprache und ist eine der wirtschaftsstärksten Regionen Spaniens. Anlass der jüngsten Massendemonstrationen war der katalanische Regionalfeiertag am 11. September. Dieses Datum erinnert an jenen Tag, an dem im Jahr 1714 die katalanischen Truppen von den königlichen spanischen Soldaten besiegt wurden. Mit dieser Niederlage verlor Katalonien damals seine weitreichende Selbstverwaltung und wurde in das spanische Königreich eingegliedert. Seit Jahren nutzen die Separatisten diesen „Nationalfeiertag“, um ihre Ansprüche zu bekräftigen. Auch der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont von der Unabhängigkeitsfront Junts pel Sí (Gemeinsam für das Ja) ging auf die Straße. „Dieser Tag ist wichtig für uns, um den Willen unseres Volkes zu demonstrieren. “ Er kündigte an: Wenn es keine Einigung mit Spanien über ein Referendum gebe, werde es in einem Jahr in Katalonien „verfassungsgebende Wahlen“ geben, um die regionale Konstitution zu verabschieden und eine souveräne Regierung zu wählen.

Ein riskanter Weg: Die Sezessionisten haben im Regionalparlament nur eine knappe Mehrheit der Abgeordneten hinter sich. Die 7,5 Millionen Katalanen sind in der Unabhängigkeitsfrage geteilt. Allerdings befürwortet - Umfragen zufolge - eine breite Mehrheit der katalanischen Bevölkerung, den sich verschärfenden Konflikt mit einer Volksabstimmung zu lösen. Ganz Spanien streitet darüber, ob man den Katalanen ein Referendum erlauben soll. Der Streit über Katalonien belastet seit Monaten das Ringen um eine neue spanische Regierung.

Schlagworte

  • Massendemonstrationen
  • Referendum
  • Spanische Regierungen
  • Spanische Soldaten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!