ANKARA

Kurden drohen mit Anschlägen

In der Türkei spitzt sich der Kurdenkonflikt bedrohlich zu. Fast täglich kommt es zu Anschlägen kurdischer Rebellen und Gefechten mit der Armee. Allein in den vergangenen sechs Wochen hat der Konflikt über 30 Todesopfer gefordert. Die Regierung in Ankara macht den inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan für die Eskalation verantwortlich – und sucht nach Wegen, ihn zum Schweigen zu bringen.

Montagabend im südosttürkischen Batman: im Stadtteil Yavuz Selim eröffnen Rebellen der kurdischen Arbeiterpartei PKK das Feuer auf eine Polizeipatrouille. Im Kugelhagel der Terroristen sterben die im achten Monat schwangere Passantin Mizgin Doru und ihre sechsjährige Tochter Sultan. Erst am Samstag waren in der Provinz Siirt sechs Soldaten bei einem PKK-Überfall ums Leben gekommen. Wenige Tage zuvor waren bei einer Bombenexplosion im Regierungsviertel von Ankara drei Menschen gestorben und 34 teils schwer verletzt worden. Zu dem Attentat bekannten sich die „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK), eine Splittergruppe der PKK. Der Anschlag sei „nur der Anfang“, drohte die TAK: „Es wird überall Angriffe geben, überall sind unsere Ziele“, kündigte die Terrorgruppe an.

Zieht Öcalan die Fäden?

Seit Wochen fliegt die türkische Luftwaffe immer wieder Angriffe auf mutmaßliche Schlupfwinkel der PKK in den Bergen des Nordirak. Dort werden mehrere Tausend Rebellen vermutet. Die Regierung blickt aber auch zur Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer. Dort verbüßt seit 1999 der PKK-Führer Abdullah Öcalan eine lebenslange Haftstrafe. Öcalan ist für Hunderttausende Kurden nicht nur ein Idol. Er zieht trotz Einzelhaft auch weiterhin die Fäden in der PKK, glauben türkische Geheimdienstexperten. Über seine Anwälte gibt Öcalan offenbar Weisungen an die Kommandeure der Rebellen in den irakischen Bergen. Jetzt habe Ministerpräsident Tayyip Erdogan die Weisung gegeben, die Kontakte zu unterbinden, berichtete die Zeitung „Hürriyet“.

Das dürfte allerdings nicht einfach sein. Denn nach der türkischen Strafprozessordnung darf Öcalan mindestens einmal in der Woche Besuche seiner zahlreichen Anwälte bekommen. Im Mai schmuggelten Anwälte eine Mitteilung Öcalans aus der Haft, die auf einer PKK-nahen Internetseite veröffentlicht wurde. Darin drohte der PKK-Führer der Regierung mit „einem großen Krieg“, falls es nicht zu einer Friedensregelung im Kurdenkonflikt komme.

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