Leitartikel: Ein Bärendienst für den Sport

Leitartikel: Es ist was faul im Staate Fußball

Langsam ist es auch einmal genug! Seit über einem Monat immer wieder Doping, weiß diese Zeitung nichts anders zu berichten? Wen interessiert schon die Vergangenheit in den fernen 60er, 70er Jahren? Mancher Leser wird sich diese Fragen stellen, und sie sind nachvollziehbar. Doping, gerade in der Aufarbeitung, ist ein komplexes Thema. Nicht so einfach wie ein Elfmeterschießen: Ball drin, gewonnen. Ball verschossen, verloren.

Aber die Aufarbeitung ist wichtig. Denn die Vergangenheit zu kennen, heißt für die Zukunft zu lernen. Es geht in der Thematik nicht darum, Sportgrößen von damals vom Sockel zu stoßen, auch wenn nebenbei deutlich wird – und das beweist ja gerade die letzte Dekade – dass das Fan-Volk oft falschen Helden zugejubelt hat. Das Beispiel Erik Zabel ist in bester Erinnerung. Nein, es geht um die Desmaskierung einer Epoche, in der die Bundesrepublik mit Steuergeldern Dopingforschung hat betreiben lassen mit höchst fragwürdigen Methoden. Diese nun aufgedeckten Fakten müssen der Anstoß sein für eine gesellschaftliche Diskussion, der sich alle stellen müssen: Sportler, Sportärzte, Funktionäre, Politiker, Zuschauer, und ja: auch die Journalisten, für die ja oft die Zweiten im Sport schon die ersten Verlierer sind.

Die Forschergruppen der Studie „Doping in Deutschland“ hat umfangreiche Lösungsvorschläge erarbeitet, darunter die Abkehr von der sogenannten Forderung einer Endkampfchance für die Entsendung deutscher Sportler zu Großereignissen. Bisweilen ist es tatsächlich so, dass sich Sportler in der Nähe von Weltrekorden bewegen müssen, um eine Chance auf eine Teilnahme bei Olympischen Spielen zu haben. Wie sagte die ehemalige Leistungssportlerin Claudia Lepping so schön dazu: „Die Hauptnebenwirkung von Doping ist Schizophrenie bei Funktionären.“

Auch der Ruf nach einem Anti-Doping-Gesetz steht im Forschungsbericht. Der Sportausschuss hatte also die Chance, in seiner Sondersitzung die Ergebnisse zu diskutieren und eigene Lösungsansätze einzubringen. Er hat es nicht getan, und die Frage lautet: Wollte er es überhaupt? Denn mit ihrem absurden Antrag, die Sitzung in eine Anhörung mit genau terminierter Redezeit verwandeln, hat die Mehrheit aus Unions- und FDP-Politikern dem Sport einen Bärendienst erwiesen.

Wie die Politiker während der Expertenausführungen gelangweilt auf ihren iPads herumtippten oder wie sie sich gegenseitig, so in der CDU-Riege, mit den Handys selbst fotografierten, vermittelte einen fatalen Eindruck in der Öffentlichkeit: nämlich den der Interessenlosigkeit. Die Enthüllungen und Erkenntnisse der Studie haben einen Großteil der Deutschen bewegt, jetzt feilschten die schwarz-gelben Ausschussmitglieder um Minuten. Da drängt sich der Eindruck auf, dass es mitten im Wahlkampf am Willen zur Beantwortung unbequemer Fragen fehlt.

Der neue Bundestag aber wird sich dieser Aufgabe stellen müssen. Die Politik muss handeln, weil der Sport allein mit der Problematik überfordert ist. Auch die Aufarbeitung muss weitergehen, ein Forschungsauftrag über die bislang unbearbeitete Zeit von 1990 bis in die Gegenwart sollte schnell auf den Weg gebracht werden. Und, so sperrig und ermüdend das Thema für manche auch sein mag: Es muss weiter berichtet werden.

Rückblick

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