Würzburg

Leitartikel: Es braucht Wahrheit und Wehrhaftigkeit

Es waren Bilder, die tagelang wie in einer endlosen Diashow im Kopf hingen. Wer in jener Nacht des 18. Juli 2016 als Journalist in Würzburg den Terroreinsatz am Tatort verfolgte, die Verletzten und Reisenden sah und die Angst in ihren Augen, wer mit Rettern und Helfern sprach, erlebte dieses Ereignis mit besonderer Intensität.

Der islamistische Irrsinn war nach den verheerenden Anschlägen von Paris und wenige Monate später in Brüssel nun auch in Deutschland angekommen. Ein fehlgeleiteter 17-Jähriger, Flüchtling aus Afghanistan und in Ochsenfurt und Gaukönigshofen behutsam umsorgt, griff in einem Regionalzug mit Axt und Messer und voller Brutalität ahnungs- und wehrlose Touristen an, verletzte auf der Flucht noch eine Spaziergängerin schwer, ehe er von Beamten eines Sondereinsatzkommandos in Notwehr erschossen wurde.

Plötzlich war dieses fränkische Würzburg Mittelpunkt eines Ereignisses, das um die Welt ging, und Menschen aus der Provinz befanden sich unmittelbar in einem Geschehen, das sie sonst nur aus den Nachrichten oder aus der fiktiven Filmwelt kannten. Eine Frage einte viele in diesen bewegten Tagen: Wo führt all das hin?

Beweis für die oft unterschätzte Wichtigkeit des Ehrenamtes

Diese Bluttat traf unsere Region ins Mark, und sie war eine Herausforderung für viele direkt und indirekt Beteiligte. Aber wie Einsatz- und Rettungskräfte, Kommunalpolitiker, Schulleiter oder die behandelnden Ärzte im Uniklinikum Würzburg mit der Ausnahmesituation umgingen, zeugte von großer Besonnenheit und zeigte, dass unsere Gesellschaft in Notlagen noch immer auch eine große funktionierende Gemeinschaft ist. Eine tröstende Erkenntnis. Dass in der Folge auch zahlreiche Helfer aus gemeinnützigen Vereinen aktiv waren, ist ein Beweis für die Wichtigkeit des Ehrenamtes, das immer noch viel zu oft geringgeschätzt und dem zu selten gedankt wird.

Das Axtattentat gab leider nur eine Ahnung davon, zu welch menschenverachtenden Taten islamistische Terroristen fähig sind. Anschläge wie in Nizza oder erst jüngst in Berlin drehten die Spirale weiter in die Höhe und führten nicht nur hierzulande zu einer politischen Großwetterlage, die Rechtspopulismus einen Aufwind verschafft.

Hetzer versuchen unsere Demokratie zu destabilisieren und schüren Ängste, die oft unbegründet sind und über die der unterfränkische Polizeipräsident sagt: Es sei schwierig geworden, den Menschen mit objektiven Zahlen das subjektive Angstgefühl zu nehmen.

Dem Verbreiten von Lügen die Fakten entgegensetzen

In Zeiten, in denen Begriffe wie „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gekürt werden und das Verbreiten von Lügen offenbar zu einem beliebten und gefährlichen Hobby aufgestiegen ist, braucht es Wehrhaftigkeit und Wahrheit. Wer sich an Fakten und Zahlen hält, muss erkennen: Deutschland ist ein sicheres Land – auch wenn jeder Einzelne, der eine andere Erfahrung gemacht hat, verständlicherweise nicht zustimmen mag.

Das Jahr 2016 ist nun zu Ende, und dass 2017 friedlicher werden möge, ist nichts als eine Hoffnung angesichts der vielen Krisenherde überall auf dieser Welt.

Gerade deshalb sollten im Superwahljahr die Parteien ihren Wahlkampf nicht auf dem Rücken der Schwachen und Hilfesuchenden ausführen, sondern eine konsequente Flüchtlingspolitik betreiben, die denen Schutz bietet, die ihn benötigen und jene ausweist und zurückführt, die den Krieg hierher tragen möchten.

Aber auch jeder einzelne Bürger ist gefragt, einzustehen für christliche Werte. Das hat zunächst erst mal nichts mit dem Glauben zu tun, sondern mit Toleranz, mit Würde, mit Respekt. Dafür sind gerade die chinesischen Opfer des Axtattentats von Würzburg ein leuchtendes Beispiel, weil sie selbst nach dem Wahrwerden ihres schlimmsten Alptraums noch Worte der Vergebung finden.

Rückblick

  1. Axt-Attentat in Würzburg: Hongkonger bekommt Rettungsmedaille überreicht
  2. Drei Jahre nach Würzburger Axt-Anschlag: Ermittlungen dauern an
  3. Drei Jahre nach Axt-Attentat: Rettungsmedaille für Hongkonger
  4. Drei Jahre nach Axt-Attentat: Opfer von damals heiraten
  5. Würzburger Muslime besorgt um den Ruf ihrer Religion
  6. Kennt Bundesanwaltschaft den Hintermann des Axt-Anschlags?
  7. Axt-Attentat: Der Terror vor der Haustüre
  8. Wie die Polizei mit gefährdeten Jugendlichen umgeht
  9. Jugendliche stark machen im Kampf gegen Radikalisierung
  10. Landrat plädiert für anderen Umgang mit Flüchtlingen
  11. „Diese Politik ist menschenverachtend“
  12. „Und immer wieder bleibt eine gewisse Ratlosigkeit zurück“
  13. Terror: Mehr Schutz für die Ersthelfer
  14. Helfer im Einsatz: Die Angst kommt erst später.
  15. „Kein Anschlagsszenario, das zuvor irgendjemand im Blick hatte“
  16. Leitartikel: Der Anschlag von Würzburg bleibt rätselhaft
  17. Axt-Attentat in Würzburg - Ein Jahr danach
  18. Der blutige Sommer 2016 muss uns stark machen
  19. Gesellschaft muss sich auf neue Bedrohungen einstellen
  20. Die Feuerwehr im Einsatz: Das Jahr 2016
  21. Nach dem Axt-Attentat: Checkliste für Retter im Einsatz
  22. Pilotprojekt gegen Radikalisierung
  23. Wie die Welt der Salafisten aussieht
  24. Opfer des Axt-Attentats bleiben optimistisch
  25. Der Tag, an dem Würzburg zur Zielscheibe des Terrors wurde
  26. Leitartikel: Es braucht Wahrheit und Wehrhaftigkeit
  27. Gerhard Kallert: „Kein Grund für mehr Ängste“
  28. Axt-Attentat: „Es tat gut, helfen zu können“
  29. Axt-Attentat: Die Frage nach dem Warum bleibt
  30. Schüsse auf Axtattentäter waren einzige Chance für Polizei
  31. Leitartikel: Trauer und Leid ohne Groll
  32. Axt-Attentatsopfer melden sich erstmals zu Wort
  33. Axt-Attentat: Zustand der Opfer hat sich weiter verbessert
  34. Nach Axt-Attentat: Erste Opfer fliegen nach China zurück
  35. Axt-Attentat: Chat belegt Kaltblütigkeit
  36. Nach Axt-Attentat: Konferenz für Pflegefamilien
  37. Axt-Attentäter anonym in Bayern bestattet
  38. Ein Monat zwischen Alptraum und Alltag
  39. Nach dem Axt-Attentat: „Nichts ist mehr so, wie es mal war“
  40. Asylantrag wegen technischer Störung unentdeckt
  41. Axt-Attentat: Spendenkonto für die Opfer eingerichtet
  42. Gesellschaft für deutsch-chinesische Freundschaft kümmert sich um Angehörige
  43. Ein anonymes Grab für den Axt-Attentäter?
  44. Axt-Terrorist schlüpfte ungeprüft aus Ungarn herein
  45. Zweifel an islamischem Begräbnis für Attentäter
  46. Die Zugfahrt, die im Alptraum endete
  47. Keine jungen Flüchtlinge in Pflegefamilien
  48. Bahn will hunderte Sicherheitskräfte neu einstellen
  49. Die Angst vor dem Terror
  50. Axt-Attacke: Leiche des Täters noch nicht freigegeben

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