WÜRZBURG

„Lesen durch Schreiben“ hat ausgedient

Der „Fibelunterricht“ führt bei Grundschülern zu deutlich besseren Rechtschreibleistungen als die Methode „Lesen durch Schreiben“. Das haben Psychologen um Professor Una Röhr-Sendlmeier von der Universität Bonn in einer Studie herausgefunden. Untersucht wurden die Rechtschreibleistungen von mehr als 3000 Grundschulkindern aus Nordrhein-Westfalen.

Die Wissenschaftler verglichen dabei die Rechtschreibleistungen der Kinder, die mit unterschiedlichen Methoden das Schreiben erlernt haben. Im „Fibelunterricht“ lernen Kinder die Schriftsprache in einem vorgegebenen strukturierten Ablauf vom Einfachen zum Komplexen. Korrekturen durch Lehrer gehören dazu. Beim Ansatz „Lesen durch Schreiben“ werden Kinder angehalten, möglichst viel frei zu schreiben – das Lesen soll über das Schreiben mitgelernt werden. Korrekturen sollen unterbleiben, um die Motivation der Kinder nicht zu beeinträchtigen.

Überlegene Fibelgruppe

Die Wissenschaftler der Universität Bonn testeten die Erstklässler kurz nach der Einschulung auf ihre Vorkenntnisse und nachfolgend an fünf weiteren Terminen bis zum Ende des dritten Schuljahres. Das Ergebnis: „Die Fibelgruppe hat sich gegenüber anderen Didaktikgruppen als überlegen erwiesen“ – die Fibelkinder hatten zu allen fünf Messzeitpunkten bessere Rechtschreibleistungen. Kinder, die mit „Lesen durch Schreiben“ unterrichtet wurden, machten am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkinder.

Erinnerung an Schulungen

Auch Bayern hat jahrelang die Methode „Lesen durch Schreiben“ des Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen durch das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung schulen lassen. „Ich erinnere mich daran, dass wir an Schulungen teilnehmen mussten, bei denen uns die Methode quasi eingetrichtert wurde“, berichtet Gerhard Bleß. Er ist mittlerweile Vorsitzender des Unterfränkischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, war vor gut einem Jahrzehnt aber noch als Lehrer bei den Schulungen dabei. Nach Bleß' Einschätzung hat die Methode Kinder zwar zum kreativen Schreiben gebracht. Viele hätten aber länger als früher gebraucht, um fehlerfrei zu schreiben. Und manche Schüler, meint Bleß, beherrschten auch als Studenten die Rechtschreibung nicht.

-> Leitartikel Seite 2

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