PARIS

Messerattacke im Herzen von Paris

TOPSHOT-FRANCE-ATTACK       -  Im Zentrum von Paris hat ein 20-Jähriger am Samstagabend bei einer Messerattacke einen Mann getötet und drei weitere Menschen schwer verletzt, bevor ihn die Polizei erschoss. Die Behörden gehen von einem Terrorakt aus. Das Bild zeigt ein Einschussloch in einem Café.
Im Zentrum von Paris hat ein 20-Jähriger am Samstagabend bei einer Messerattacke einen Mann getötet und drei weitere Menschen schwer verletzt, bevor ihn die Polizei erschoss. Die Behörden gehen von einem Terrorakt aus. Das Bild zeigt ein Einschussloch in einem Café. Foto: Eric Feferberg, afp

Wenn François Molins vor die Kameras tritt, weiß man, dass es wieder passiert ist. Bei jedem Anschlag mit mutmaßlich terroristischem Hintergrund in Paris der vergangenen Jahre war es stets der Staatsanwalt von Paris, der die ersten gesicherten Informationen über Täter und Verlauf gab – auch wenn bis dahin schon viele Nachrichten im Internet zirkuliert waren.

Am Samstagabend kurz vor Mitternacht berichtete der 64-Jährige mit sorgenvoller Miene, dass ein Mann drei Stunden zuvor im Viertel um die Pariser Oper, einem besonders belebten im Zentrum der Stadt, vorbeigehende Menschen mit einem Messer angegriffen hatte. Dabei tötete er einen 29-Jährigen und verletzte vier weitere Personen, zwei davon schwer. Sie befanden sich am gestrigen Sonntag außer Lebensgefahr.

„Die außergewöhnliche Reaktionsfähigkeit der Polizeikräfte hat eine schlimmere Bilanz

verhindert.“

Édouard Philippe, französischer Premierminister

Molins ließ kaum einen Zweifel daran, dass die Tat als Terror-Akt einzustufen sei. „Zum jetzigen Zeitpunkt und uns auf die Zeugenaussagen stützend, denen zufolge der Angreifer ,Allahu Akbar‘ gerufen hat, während er Passanten mit dem Messer attackierte, und angesichts der Vorgehensweise, haben wir die Antiterror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft eingeschaltet“, sagte der Staatsanwalt. Der Täter sei von der Polizei erschossen worden. Es handelte sich um einen in Tschetschenien geborenen 20-Jährigen, der 2010 in Frankreich eingebürgert wurde.

Hinter Molins hatten sich Polizisten und Notärzte aufgebaut, der Bereich war abgesperrt. Blaulicht flackerte in der Nacht. Wieder war das quirlige Pariser Nachtleben getroffen worden, nachdem am 13. November 2015 bei mehreren parallel geführten Anschlägen auf Bars und Cafés, die Konzerthalle Bataclan sowie das Fußballstadion in Saint-Denis nördlich der französischen Metropole 130 Menschen ermordet und mehr als 350 verletzt worden waren. Die schlimme Erinnerung daran kehrte am Samstagabend sofort zurück.

Zeugen erzählten von plötzlich aufgekommener Panik. In den Restaurants hatten sich die Menschen auf den Boden geworfen, ohne zu wissen, was passierte. „Wir tranken ein Glas mit Freundinnen auf einer Terrasse, als wir plötzlich Schüsse hörten“, berichtete die 47-jährige Gloria in einem französischen Fernsehsender. „Es gab Tumult auf der Straße, wir haben nichts verstanden, aber die Kellner sagten, wir sollten uns schnell in Schutz bringen.“ Draußen habe sie einen Mann am Boden liegen gesehen, wenige Minuten später kam die Polizei. „Sie waren wahnsinnig viele. Wahnsinnig viele.“ Premierminister Édouard Philippe lobte später, „die außergewöhnliche Reaktionsfähigkeit der Polizeikräfte hat eine schlimmere Bilanz verhindert“. Nach fünf Minuten seien die Beamten zur Stelle gewesen, nach neun Minuten war der Angreifer tot.

Der Täter, dessen Eltern im Anschluss in Untersuchungshaft kamen, war zwar zuvor nie wegen Straftaten aufgefallen. Allerdings führten ihn die Behörden aufgrund eines verdächtigen Kontaktes in der „S-Liste“ („S“ steht für „Staatssicherheit“) wegen möglicher Radikalisierung. Erst im April war der 20-Jährige verhört worden, ohne dass Hinweise auf seine Absichten gefunden wurden. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ bekannte sich rasch zu dem Anschlag und ließ verkünden, es habe sich um eine „Vergeltungsmaßnahme“ gegen die Staaten der internationalen Koalition im Irak und in Syrien gehandelt. Frankreich beteiligte sich dort bereits an von den USA geführten Luftschlägen. Seit 2015 wurden 245 Menschen in Frankreich bei Terroranschlägen getötet, auch durch Messerangriffe.

Sein Land werde den „Feinden der Freiheit nicht einen Millimeter weichen“, versicherte Präsident Emmanuel Macron auf Twitter. „Heute Abend wurde unsere Stadt verletzt“, reagierte Bürgermeisterin Anne Hidalgo und retweetete das Pariser Stadt-Motto, das bereits bei den Terroranschlägen 2015 Trost und Kraft geben sollte: „Fluctuat nec mergitur“ – „Sie wankt, aber sie fällt nicht.“

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