BAYREUTH

Netzprobleme machen Strom teurer

Monteure auf Strommasten       -  Um Windstrom vom Norden nach Süden zu bringen, fehlen noch immer Leitungen.
Um Windstrom vom Norden nach Süden zu bringen, fehlen noch immer Leitungen. Foto: ArchivCarsten Rehder, dpa

(dpa/AZ) Seit Silvester gibt es in Deutschland ein stromlieferendes Atomkraftwerk weniger: Am Sonntagmittag ist der erste von zwei Kraftwerksblöcken in Gundremmingen (Lkr. Günzburg) nach über 30-jähriger Betriebsdauer den Planungen der Energiewende entsprechend vom Netz genommen worden. Die Umwälzung auf dem Strommarkt mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien setzt allerdings das deutsche Stromnetz immer stärker unter Druck. Der Netzbetreiber Tennet (Bayreuth) musste 2017 nach eigenen Angaben wegen fehlender Leitungen fast eine Milliarde Euro für sogenannte Noteingriffe ins Netz zahlen.

Kapazitätsprobleme gibt es vor allem beim Transport von Windstrom von Norden nach Süden. Die Eingriffskosten lagen 2015 noch deutlich niedriger bei 710 Millionen Euro, im windschwachen Jahr 2016 sogar nur bei 660 Millionen Euro. Die Kosten werden über die sogenannten Netzentgelte auf den Strompreis umgelegt und landen am Ende beim Verbraucher. Das Netzgebiet von Tennet reicht in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis in den Süden Bayerns.

Nach Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022 könnten die Eingriffskosten laut der Bundesnetzagentur sogar auf bis zu vier Milliarden Euro bundesweit im Jahr steigen. Im stürmischen Herbst und Winter müssen im Norden immer wieder Gas- und Kohlekraftwerke heruntergefahren oder Windparks gegen Kostenerstattung abgeschaltet werden, weil sonst mehr Strom produziert würde als die Netze aufnehmen können. Damit im Süden nicht die Lichter ausgehen, müssen dort aber konventionelle Reservekraftwerke hochgefahren werden.

Oft kommt die Netzreserve auch aus Österreich. Auch dafür müssen die Netzbetreiber Entschädigung zahlen. „Wir brauchen zwingend ein Energiewendenetz, also die vom Gesetzgeber bereits beschlossenen Netzausbauprojekte“, fordert Tennet-Geschäftsführungsmitglied Lex Hartmann. Bis dahin seien „Netzengpässe, hohe Kosten für die Verbraucher und eine zunehmend instabile Versorgung die harte Wirklichkeit“.

„Die Stabilisierung der Netze ist komplexer geworden und kostet uns alle viel Geld“, sagt der Präsident der Bundesnetzagentur in Bonn, Jochen Homann. Diese Kosten würden erst durch die großen Stromleitungen sinken. Allerdings hält der Behördenchef die Versorgung auch in der Zwischenzeit für sicher: „Eine Warnung vor Stromausfällen bis dahin wäre übertrieben.“

Tennet baut zusammen mit TransnetBW die „Schlagader der Energiewende“, die Stromverbindung Südlink, für den Transport von Windstrom von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Nach jetziger Planung soll sie 2025 fertig werden. Nach vorläufigen Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der Anteil erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung 2017 auf 33,1 Prozent gestiegen.

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