NEW YORK

Rudolph Giuliani, Donald Trumps Mann fürs Grobe

Gedenken zum fünften Jahrestag von «9/11»
Rudolph Giuliani istDonald Trumps Anwalt. Foto: A2800 epa Honda Pool (Pool)

Was waren das noch für Zeiten. Als Rudolph Giuliani als Seelentröster und „Bürgermeister Amerikas“ galt, weil er das Land in seiner schwersten Krise – den Anschlägen vom 11. September 2001 – an die Hand nahm und zurück ans Licht führte. Oder als er Wall-Street-Bankern vor den Augen des Fernsehpublikums Handschellen anlegen ließ. Die Mafia, die Gangs, die Kleinkriminellen und die Wirtschaftsgangster – mit allen nahm es der Bürgermeister von New York auf. Den gefährlichen Moloch verwandelte er in eine Oase der Sicherheit. Er stärkte die Rechte von Schwulen und machte sich für Einwanderer stark. Das „Time“-Magazin adelte ihn 2001 als Person des Jahres, im gleichen Jahr erhielt er den Bambi, die Queen schlug ihn 2002 zum Ritter. Ein amerikanischer Held eben. Das war Giuliani.

Ein Anwalt mit Schurken-Seite

Heute scheint er einer von denen zu sein, die er früher ins Visier nahm, zumindest ein politischer Schurke, der vor Drohungen und Korruption nicht zurückschreckt. Der 75-Jährige ist in seinen früheren Beruf als Anwalt zurückgekehrt und vertritt einen ganz besonderen Klienten: Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten und angriffslustiges Alphatier. Und so verteidigt Giuliani, was eigentlich nicht zu verteidigen ist. Und wenn es notwendig ist, mischt er offenbar auch selbst mit – am liebesten wäre er ja ohnehin Außenminister geworden.

In der Ukraine-Affäre des Präsidenten jedenfalls bemühte sich der frühere New Yorker Staatsanwalt aktiv darum, das Land im Osten Europas zu Ermittlungen in Sachen Biden zu bewegen – bis hin zu Gesprächen mit Mitarbeitern von Präsident Selenskyj. Auch eine Kampagne gegen die frühere US-Botschafterin soll er geführt haben. Die Rolle von Trumps Schattenmann wird immer mysteriöser. John Bolton, früher Sicherheitsberater des Weißen Hauses, legt eine Charakterbeschreibung Giulianis vor, die kaum mehr steigerbar ist: „Giuliani ist eine Handgranate, die noch jeden in die Luft jagen wird.“

Eine jahrzehntelange Männerfreundschaft

Donald Trump sieht das freilich anders: „Rudy ist großartig“, sagt er über seinen Mann fürs Grobe. Was auch sonst. Immerhin sind die beiden seit Jahrzehnten verbandelt und teilen viele Leidenschaften: die Freude am Trash-TV und den Hang, mit dubiosen Geschäften Millionen zu scheffeln. Und: Auch Giulianis erste Frau erfuhr von der Trennung durch die Medien. Sein Biograf Andrew Kritzman beschreibt den aus Brooklyn stammenden Arbeiterjungen als Kontrollfreak, als Mann, der die Welt in Freund und Feind einteilt und ein gewaltiges Geltungsbedürfnis hat. Vielleicht, so mutmaßt das liberale Amerika, geht es Giuliani ja auch gar nicht so sehr darum, Trump zu verteidigen. Sondern sich selbst in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Und dazu taugt das Weiße Haus allemal.

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