BERLIN

Sanktionen der EU könnten Russland empfindlich treffen

Die Verunsicherung unter deutschen Firmen wächst. Denn immer noch ist nicht klar, welche welche Konsequenzen die wirtschaftlichen Sanktionen der Europäischen Union für hiesige Unternehmen hat. Fest steht nur: Schon jetzt hat die Ukraine-Krise und die Reaktion des Westens Russlands Wirtschaft heftig gebremst. Fragen und Antworten dazu.

Wie empfindlich kann die EU Russland treffen?

Die bislang diskutierten Sanktionen packen das Land durchaus an einer empfindlichen Stelle. Neben einem Ausfuhrstopp für Waffen soll es auch um Hochtechnologie und Spezialanlagen zur Ölförderung gehen. Weil Russlands Wirtschaftsmodell bislang ganz entscheidend auf der Gewinnung und dem Export von Energie beruht, müsste sich das Land nach Alternativen bei Lieferanten umsehen. Schmerzlich könnte es auch werden, wenn der Zugang zum europäischen Kapitalmarkt erschwert wird.

Verfügt Russland nicht über genügend finanzielle Reserven?

Bislang schon. Das stürmische Wachstum der Vergangenheit beruhte auf sprudelnden Energieexporten – und steigenden Preisen für Energie. Dieser Trend hat sich aber nicht ungebremst fortgesetzt. Das Wachstum wird langsamer, mit entsprechenden Folgen für die Deviseneinnahmen. Devisenreserven schrumpfen, der Rubel gerät unter Druck. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, urteilen die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB).

Und kann Russland sich nicht frisches

Kapital beschaffen?

Der russische Staat hat wachsende Probleme, Kapital aufzunehmen. Der Zinssatz für russische Staatsanleihen ist zuletzt binnen eines Monats um einen Prozentpunkt auf 9,3 Prozent gestiegen. Die Schuldenaufnahme wird also immer teurer für den russischen Staat. Geplante Verkäufe von Staatsanleihen wurden vor diesem Hintergrund schon mehrfach abgesagt. Offizielle Begründung: „Ungünstige Marktkonditionen“.

Aber Russland gehört doch zu den Riesen der Weltwirtschaft?

Schon. Als Mitglied der schnell wachsenden BRIC-Entwicklungsländer wird Russland in einem Atemzug mit Brasilien, Indien und China genannt. Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz acht der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Aber die „goldenen Jahre“ mit Wachstumsraten von sechs, sieben oder acht Prozent sind schon lange vorbei. Russlands Wirtschaftsleistung legte 2013 nur noch um 1,3 Prozent zu. Für 2014 hat der IWF seine Prognose jüngst von 1,3 auf nur noch 0,2 Prozent gekappt. Russland droht eine Rezession – mit entsprechenden Folgen auch für seine Handelspartner.

Wie sehen die Folgen aus?

Russland hatte zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund drei Prozent aller Exporte. Damit steht das Land zwar nur auf Platz elf der wichtigsten Kunden – hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich zehn Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft. Für die deutsche Schlüsselbranche Maschinenbau ist Russland zum Beispiel der viertgrößte Exportpartner, und die Maschinenbauer verbuchen schon jetzt deutlich rückläufige Russland-Exporte.

Droht ein handfester Konjunktureinbruch?

Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen. „Käme es durch Handelssanktionen über einen längeren Zeitraum zu einer Rezession in Russland, könnte uns das 0,5 Prozentpunkte Wachstum kosten“, schätzt Mittelstandspräsident Mario Ohoven.

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