ATHEN

Schäuble ist Feindbild der Griechen

Kabarett auf der Straße: Darsteller mit den Masken von Alexis Tsipras, Wolfgang Schäuble und Angela Merkel treten vor dem Parlament in Athen auf und fordern Unterstützung für die griechische Regierung in den Verhandlungen mit der EU.
Kabarett auf der Straße: Darsteller mit den Masken von Alexis Tsipras, Wolfgang Schäuble und Angela Merkel treten vor dem Parlament in Athen auf und fordern Unterstützung für die griechische Regierung in den Verhandlungen mit der EU. Foto: Orestis Panagiotou, dpa

In Griechenland ist der deutsche Finanzminister genauso verhasst wie die ungeliebten Kontrolleure der „Troika“. Was auch an manchem Spruch Schäubles liegt. Vor allem aber an dessen Hartnäckigkeit. Am Dienstag in Brüssel, nach dem Treffen der 28 EU-Finanzminister gab es wieder einen solchen Schäuble-Satz – so ein Mischmasch aus Deutsch und Englisch, in breitestem Badisch: „Am 28., 24.00 Uhr, isch over.“ Was in der aufgeheizten Griechenland-Debatte schnell die Runde machte.

Dabei hatte der deutsche Finanzminister eigentlich nur auf seine Art die Grenze bekräftigt, bis zu der aus Sicht der Euro-Gruppe eine Lösung stehen muss. Am 28. Februar läuft das Hilfsprogramm aus, und damit auch die bisherigen Kredithilfen.

Es sind solche Sätze, mit denen Wolfgang Schäuble immer wieder Aufmerksamkeit erlangt – im Poker um eine Griechenland-Lösung und im Dauerkampf um eine Stabilisierung der Eurozone. Gewollt und auch ungewollt. Der 72-jährige Politprofi ist ein Meister der feinen, teils bissigen Ironie. Und er nutzt solche Sprüche gern, um seine Ziele voranzutreiben. Manchmal ist so ein „Denglisch“-Wortgebilde aber auch unfreiwillig komisch, wie jener Satz im Oktober 2012: „It will not happen, that there will be a Staatsban-krott in Greece.“

Es klang schief, war aber ein klares Bekenntnis des deutschen Ministers und Euro-Stabilisierers im Ausland in einer auch damals aufgeheizten Stimmung: Eine Griechenland-Pleite wird es nicht geben.

Ein krawalliger, markiger Sprücheklopfer, der nur provozieren will, ist der CDU-Politiker aber keinesfalls. Der Jurist Schäuble redet Klartext, vergreift sich aber selten im Ton, wenn es darum geht, dass Regeln eingehalten werden müssen. Auch deshalb ist Schäuble spätestens seit dem ersten Hilfspaket der Europäer vom Frühjahr 2010 Hassfigur in Griechenland – auf demselben Niveau wie die ungeliebte „Troika“ aus EU-Kommission, EZB und IWF. Viele Euro-Beschlüsse tragen vor allem Schäubles Handschrift. Auch die neue Athener Regierung reibt sich am deutschen Kassenwart, wie schon die Vorgängerregierungen.

Im aktuellen Poker um eine Verlängerung der Finanzhilfe muss Schäuble wieder als Buhmann herhalten. Dabei machen alle Europartner geschlossen Front und pochen auf klare Zusagen Athens im Gegenzug für Kredite. Nicht Schäuble ist Wortführer der Kritiker, sondern andere, vor allem kleinere Länder und diejenigen, die aus der Krise kommen.

Schäuble in Naziuniform

Der aktuelle Regierungschef Alexis Tsipras vom linken Wahlsieger Syriza warf Schäuble vor, die Selbstbeherrschung verloren und sich abwertend über das griechische Volk geäußert zu haben. Hintergrund: Schäuble hatte gesagt, die Griechen täten ihm leid. Sie hätten eine Regierung gewählt, die sich im Augenblick ziemlich unverantwortlich verhalte.

Die Parteizeitung von Syriza hatte in einer abstoßenden Karikatur Schäuble in Naziuniform dargestellt. Was selbst dem Athener Finanzminister Gianis Varoufakis unangenehm war. „Herr Varoufakis kam zu mir und hat gesagt, dass er sich schrecklich schäme“, berichtete Schäuble. Er selbst sei weder verletzt, noch wütend.

Unterdessen hält Athen die europäischen Geldgeber weiter hin. Der angekündigte Antrag auf eine Verlängerung von Hilfen für das Krisenland soll nach Informationen der kleinen Oppositionspartei „To Potami“ nun erst am Donnerstag abgeschickt werden. „Der Antrag wird morgen gestellt“, sagte der Parteichef Stavros Theodorakis. Zuvor hatte er ein Treffen mit Regierungschef Tsipras. Regierungssprecher Gavriil Sakellarides hatte am Morgen im griechischen Fernsehen gesagt: „Wir werden heute den Brief schicken.“

Offen bleibt weiter, ob Griechenland die bisher vereinbarten Auflagen der internationalen Geldgeber akzeptiert. Ohne ein Einlenken in dieser Frage sind die Europartner nicht zu Zugeständnissen an Athen bereit. In griechischen Regierungskreisen hieß es, das Sparprogramm gelte nicht. Was das genau bedeute, wollten Quellen in Athen allerdings nicht erläutern.

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