WÜRZBURG/SCHWEINFURT

Schweigen für die Opfer

(wolf/hh/noh) An diesem Donnerstag, 23. Februar, 12 Uhr, steht die Zeit still. Zum Beispiel im Meininger Theater. Sie ist das Kostbarste, über das der künstlerische Spielbetrieb verfügt, aber der aktuelle Anlass hat Gewicht: das Gedenken an die Opfer rechtsextremistischer Gewalt. Die Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund haben zum Schweigen gegen Rechts aufgerufen. Viele sind dem gefolgt – hier ein Auszug der vielen Aktionen in der Region:

Ralf Holtzwart, Geschäftsführer der bayerischen Regionaldirektion der Arbeitsagentur, hat alle seine Filialen im Freistaat gebeten, „allen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit zu geben, eine entsprechende Schweigeminute einzulegen“. Unter anderem hat sich die Arbeitsagentur Würzburg beteiligt. Sie wollte damit, erklärt ihr Pressesprecher Wolfgang Albert, zeigen, „dass wir grundsätzlich offen sind für die Gesellschaft, dass wir niemanden diskriminieren“.

Auch die AOK Würzburg hat den Aufruf an ihre Mitarbeiter weitergegeben, auch in ihren Geschäftsstellen in Main-Spessart und Kitzingen. Über Lautsprecher, berichtet Pressesprecher Stephan Götz, habe die Krankenkasse in Würzburg ihre Kunden zur Teilnahme eingeladen und um Verständnis dafür gebeten, dass alle Tätigkeiten für eine Minute ruhen.

Unterstützung bekam die Initiative vom Verband der Bayerischen Zeitschriftenverleger VZB sowie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Zum Beispiel beteiligten sich unter anderem die Bavaria Yachtbau in Giebelstadt (Lkr. Würzburg) und Vogel Business Media in Würzburg. Vogel-Sprecherin Christine Baumann beschreibt das Unternehmen als wertoffen, tolerant und offen; es spreche sich „gegen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und rechtsextremistische Gewalt aus“.

In Schweinfurt folgten etwa 150 Beschäftigte von Schaeffler/FAG dem Aufruf. Betriebsrat Richard Friedrich sagte, „braune Gewalt gehört in Deutschland zum Alltag“. Jeden Tag würden in mindestens zwei Fällen Mitbürger auf offener Straße verfolgt, angegriffen, attackiert, geschlagen, getreten und misshandelt. Und das nur „weil sie eine andere Hautfarbe, eine andere Nationalität oder eine andere Gesinnung haben“.

In Meiningen hat der Intendant des Staatstheaters, Ansgar Haag, seine Bühnenangehörigen zur Anteilnahme aufgerufen. Keine leeren Worte, keine bloße Symbolik: Er selbst setzt in der Inszenierungsarbeit klare Akzente auf diesem Weg – mit seiner Uraufführung von Clancys „Hüter der Zeit“ (2009), mit „Guglielmo Tell“ im Schiller-Jahr, mit „Rienzi“ und mit der Premiere von Wagners „Liebesverbot“ zur Wiedereröffnung des Großen Hauses. Haags Credo: „Wir dürfen unsere Linie der Demokratie nicht gefährden. Nie wieder Faschismus!“

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