BERLIN

Sorge über Antisemitismus

Sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust bereitet der zunehmende Antisemitismus in Europa den Präsidenten Deutschlands und Israels große Sorge. Joachim Gauck und Reuven Rivlin forderten in Interviews, die am Dienstag aus Anlass des Staatsbesuchs von Israels Präsident in Berlin veröffentlicht wurden, ein beherztes Eintreten gegen anti-jüdische Vorbehalte und antisemitisch motivierte Kritik an Israel. Höhepunkt des Staatsbesuchs war ein Festakt zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Rivlin beklagte in einem gemeinsamen Interview mit der „Bild„-Zeitung und der israelischen Zeitung „Jedioth Ahronoth“ eine „weltweite Zunahme anti-israelischer und anti-jüdischer Parolen“. Angesichts dieser Entwicklung sollten vor allem in Europa „die Alarmglocken ertönen“. Die Kritik an Israel werde oftmals „angestachelt durch Extremisten, die Juden hassen“, warnte Rivlin.

Gauck erwähnte in seiner Rede bei dem Festakt am Abend seine besondere Sorge angesichts deutscher Ressentiments gegen Juden. Er verwies auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, derzufolge fast die Hälfte der Deutschen eine schlechte Meinung von Israel habe. Dies sollte „zugleich Ansporn und Mahnung sein“, sagte Gauck laut Redetext. Er wünsche sich „noch mehr Begegnungen, noch mehr Impulse, noch mehr Interesse und Empathie“.

Rivlin hatte am zweiten Tag seines Staatsbesuchs in Deutschland unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) getroffen. Dem Gastgeberland zollte er demonstrativ Respekt. „Deutschland ist heute ein Leuchtturm der Demokratie in der Welt“, sagte Rivlin in dem Zeitungsinterview. Die enge Freundschaft beider Länder beruhe darauf, dass Deutschland seine Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit übernommen habe.

Die Erinnerung an den Holocaust sei trotz der mittlerweile guten Beziehungen immer präsent. Aus der Asche der Vergangenheit hätten Deutsche und Israelis in vielen Bereichen wie Medizin und Wirtschaft eine „wunderbare Partnerschaft erblühen lassen“.

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