Standpunkt: Begleiten, nicht töten

Die jährlichen „Todeslisten“ in Belgien sind keine bloßen Statistiken. Dahinter stehen Einzelschicksale. Und die Zahlen verraten nichts von Schmerzen, Leiden und Qualen. Die Frage aber heißt: Ist die Vorstellung vom „würdigen Tod“ tatsächlich die richtige Antwort? Sterbende und Schwerkranke muss man begleiten, aber nicht töten. Vielleicht verliefe die Diskussion anders, wenn sich Belgien nicht nur zu einer Liberalisierung seiner Sterbegesetzgebung entschlossen, sondern gleichzeitig eine Offensive für die Palliativmedizin gestartet hätte. Das aber geschah nicht.

Und so bleiben die Daten vor allem deshalb unbrauchbar, weil sie nicht deutlich machen, wo Hilfe und Begleitung möglich und humaner gewesen wären, als einen Medikamenten-Cocktail anzurühren. Der bittere Verdacht, dass die Tötung auf Verlangen im Laufe der Zeit akzeptiert und als Ausweg hingenommen wird, wird zwar nicht bestätigt. Aber er bleibt. Dass der Tod zum Leben gehört, ist eine banale Weisheit. Aber sie weist den Angehörigen, der Familie, den Freunden sowie den professionellen Helfern eine Verantwortung zu. Die besteht nicht darin, das Ende herbeizuführen, sondern Beistand zu gewähren – bis zum letzten Atemzug.

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  • Martina Riederle
  • Palliativmedizin
  • Schmerzen und Schmerzmedizin
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