Standpunkt: Der AfD droht die Spaltung

Es hat nur wenige Stunden gedauert, da folgte auf den Siegesrausch im Lager der AfD bereits die Katerstimmung. Vieles deutet darauf hin, dass die Parteivorsitzende Frauke Petry ihren Paukenschlag in der Bundespressekonferenz von langer Hand geplant hat. Fraglich war für politische Beobachter allenfalls, wann sie die Bombe platzen lassen würde. So kurz nach dem Triumph bei der Bundestagswahl hatten zumindest die Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland sowie Co-Parteichef Jörg Meuthen offenbar nicht mit einem solch spektakulären Auftritt Petrys gerechnet. Die Verblüffung darüber stand ihnen jedenfalls ins Gesicht geschrieben.

Die Lage bei den Rechtspopulisten ist nach dem Coup ihrer Spitzenfrau unübersichtlich. Sie selbst hat angekündigt, dass sie im Bundestag als Einzelabgeordnete einer vernünftigen konservativen Politik Gesicht und Stimme verleihen werde. Etliche Indizien sprechen allerdings dafür, dass Frauke Petry eine Spaltung der rechtsnationalen Partei im Sinn hat. Intern ist schon seit längerem gemunkelt worden, die Vorsitzende plane im Falle eines Einzugs in den Bundestag möglicherweise eine eigenständige Gruppierung zu bilden, die in Konkurrenz zur AfD-Fraktion steht.

Denn ihr Verhältnis zu Meuthen und Co. gilt als zerrüttet. Spätestens seit dem Kölner Parteitag im April dieses Jahres geriet die streitbare Frontfrau zunehmend ins parteiinterne Abseits. Sie war seinerzeit mit ihrem Vorhaben gescheitert, einen Antrag einzubringen, der vorsah, die AfD bis 2021 zu einer koalitionsfähigen Partei reifen zu lassen. Seitdem tauchte Petry nur noch selten in der Öffentlichkeit auf. Im Wahlkampf machte sie kurz von sich reden, als sie sich wiederholt von beiden Spitzenkandidaten distanzierte.

Zoff und Zwietracht

Nun ist es nichts Ungewöhnliches, dass AfD-Politiker mehr durch Zoff und Zwietracht untereinander die Schlagzeilen bestimmen als mit konstruktiven politischen Ideen. Der Eklat vom Montag freilich hat eine andere Dimension – am Ende dieser Auseinandersetzung könnte tatsächlich die Spaltung der Partei stehen.

Dazu müsste es Frauke Petry gelingen, mindestens 34 der 93 neuen Bundestagsabgeordneten auf ihre Seite zu ziehen. In der NRW-Landesgruppe, der politischen Heimat ihres Ehemannes Marcus Pretzel, könnte sie wahrscheinlich mit Unterstützung rechnen. Auch in Bayern und Thüringen scheint sie zahlreiche Anhänger zu haben. Petry-Getreue gründeten dort die „Alternative Mitte“ (AM). Ein weiteres Zeichen für die Zerrissenheit der AfD: In Mecklenburg-Vorpommern haben sich vier der 18 Fraktionsmitglieder wegen politischer Differenzen abgespalten. Sieht so etwa die Alternative für Deutschland aus?

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