Standpunkt: Ein lohnender Vorschlag

Es mag beklagenswert sein, doch klassische familiäre Bindungen haben in ihrer Bedeutung abgenommen. Deshalb lohnt es sich, über den Vorschlag der FDP nachzudenken, die eine Verantwortungsgemeinschaft für Menschen einführen will, die sich umeinander kümmern, ohne verwandt oder verheiratet zu sein. In der gesellschaftlichen Realität existieren unzählige Fälle, in der eine solche Rechtsform den Beteiligten echte Vorteile bringen würde.

Es gibt Senioren, die als einzigen lebenden Angehörigen einen Neffen haben, der weit weg wohnt und selten zu Besuch kommt. Zum Glück gibt es in vielen Fällen Nachbarn, Freunde und Bekannte, die sich stärker um diese Menschen kümmern, als deren Verwandtschaft. Doch die Kümmerer haben meist weder einen Anspruch auf Auskunft beim Arzt, noch Bankvollmachten oder Vertretungsrechte gegenüber Behörden. Das sorgt im Alltag für viele Probleme.

Soziale Netzwerke existieren nicht nur im Internet und sie sind vielfältiger denn je. Für manche Kinder alleinerziehender Eltern ist die nette Dame von nebenan eine echte Ersatz-Oma. Gar nicht so selten werden Hilfsbedürftige oder Kranke von Mitmenschen versorgt oder gepflegt, obwohl es weder eine Liebesbeziehung noch Blutsbande gibt. Es ist gut für die ganze Gesellschaft, dass es diese Wahlverwandtschaften gibt. Menschen, die sich um andere kümmern, ohne viel zu fragen, sehen dabei in den seltensten Fällen auf ihre eigene finanzielle Situation.

Vorteile und Pflichten zugleich

Doch es darf nicht sein, dass die „angenommenen“ gegenüber den „echten“ Verwandten benachteiligt werden, etwa in steuerlichen Fragen. Der Gesetzgeber sollte diejenigen, die freiwillig Verantwortung übernehmen, sogar aktiv entlasten und fördern. Denn ihr Engagement würde nach dem FDP-Modell nicht nur Vorteile, sondern auch Pflichten mit sich bringen.

Dass es auch möglich sein soll, den Zivilpakt zwischen mehr als zwei Personen zu schließen, mag auf den ersten Blick befremdlich wirken. Mancher denkt da etwa mit einem gewissen Unbehagen an die in einigen Kulturen verbreiteten Vielehen. Doch die FDP plant keineswegs ein Konkurrenzmodell zur Ehe. Die Idee, dass sich auch mehr als zwei Menschen offiziell zu ihrer Verantwortung füreinander bekennen können, ist sinnvoll. Es ist Zeit, die Gesetze den gesellschaftlichen Realitäten anzupassen.

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