Standpunkt: Schädlich und nicht akzeptabel

Homosexualität ist keine Krankheit und deshalb bedarf sie auch keiner Heilung. Ein Verbot der so genannten Konversionstherapie ist deshalb richtig. Pseudowissenschaftliche oder religiös aufgeladene Prozeduren können Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, sogar ernsthaft Schaden zufügen. Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann sich der Mensch seine sexuelle Orientierung nicht aussuchen. Und er kann sie auch nicht verändern. Genau das aber gaukeln selbst ernannte Homosexuellen-Heiler vor.

Für die Betroffenen bedeutet das oft unendliches Leid. Wenn die versprochene „Heilung“ nicht eintritt, was sie ja auch gar nicht kann, folgen nicht selten quälende Schuldgefühle. Die zu Depressionen und bis in den Selbstmord führen können. Oft sind Jugendliche betroffen, die von Eltern, die es nicht besser wissen, in eine Konversionstherapie gedrängt werden. Dem ist Einhalt zu gebieten. Ein Verbot kann klarstellen, dass solche Pseudo-Behandlungen schädlich und nicht akzeptabel sind.

Gesetze allein aber können das gesellschaftliche Klima, das Homosexuellenfeindlichkeit hervorbringt, nicht ändern. Die rechtliche Gleichstellung Homosexueller mag erreicht sein, auf einem anderen Blatt steht die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen in manchen Teilen der Gesellschaft. Schon auf dem Schulhof wird „schwul“ als Schimpfwort gebraucht. Homosexuelle Paare sind in der Öffentlichkeit Anfeindungen oder gar Angriffen ausgesetzt. In Teilen der Popkultur wie der Rap-Musik sind schwulenfeindliche Inhalte weit verbreitet. Und ob Christentum oder Islam, viele Religionsgemeinschaften verdammen Homosexualität auch heute noch als Sünde.

Bis Homosexuelle nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Alltag gleichgestellt sind, ist es noch ein weiter Weg. Doch es gibt Lichtblicke. Zum Beispiel den offen homosexuell lebenden Minister Jens Spahn. Der aber nicht durch seine sexuelle Orientierung von sich reden macht, sondern durch Ideen wie das Verbot der Konversionstherapien.

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