LOHR/MARKTHEIDENFELD

Strafanzeige gegen Fuchsjäger

Füchse jagen? Jäger und Tierschützer streiten sich.
Füchse jagen? Jäger und Tierschützer streiten sich. Foto: dpa

Im Streit um Sinn oder Unsinn des Abschusses von 92 Füchsen im Landkreis Main-Spessart hat Rechtsanwalt Dominik Storr aus Neustadt am Main im Namen verschiedener Tierrechtsorganisationen nun Strafanzeige wegen Massentötung von Füchsen gegen die Verantwortlichen der bayerischen Jagdverbands-Kreisgruppen Lohr und Marktheidenfeld gestellt.

Das Trophäenbild, das in dieser Zeitung veröffentlicht worden war, bewegt seit Tagen die Gemüter vieler Menschen in der Region. Auf der einen Seite stehen erzürnte Tierschützer und Jagdgegner – auf der anderen all jene, die die Aufregung um die revierübergreifende „Fuchswoche“ nicht verstehen können.

Rechtsanwalt Storr vertritt in diesem Fall die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland, den Politischen Arbeitskreis für Tierrechte in Europa (PAKT), den Wildtierschutz Deutschland, die Anti-Jagd-Allianz, die Initiative zur Abschaffung der Jagd sowie die Initiative pro iure animalis. Seine Strafanzeige begründet Storr mit einem „mutmaßlichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“.

So gebe es in Bayern keine gesetzliche Grundlage für revierübergreifende Jagdausübungsmaßnahmen. Somit könne die Tötung der Füchse auch nicht unter die „Hege“ fallen. Hegegemeinschaften in Bayern dürfen laut Storr keine jagdbezirksübergreifenden Bejagungen durchführen. Zudem sei die Massentötung der Wirbeltiere nicht im Rahmen einer waidgerechten Jagd erfolgt. „Wirbeltiere dürfen laut Tierschutzgesetz nur aus einem vernünftigen Grund getötet werden“, so Storr. Und den könne er hier nicht erkennen. Deutschland gelte seit 2008 als tollwutfrei, auch der Fuchsbandwurm stelle nach aktuellen Erkenntnissen keine wirkliche Gefahr dar.

Peter Amann, zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe Lohr im Bayerischen Jagdverband, sieht hingegen sehr wohl Gründe für diese Art der Fuchsjagd. Man schütze damit die Bodenbrüter und die Hasen. Zum Beispiel hätten Rebhühner als Bodenbrüter sonst keine Chance, erklärte er auf Anfrage. Fuchsjagden wie die nun umstrittene seien nichts Neues. „In den letzten Jahren waren es 50 bis 60 Füchse, diesmal waren es mit 92 Füchsen sehr viele.“ Tollwut sei tatsächlich kein Jagdgrund mehr, so Amann, dafür aber die Räude.

Dieses Leiden, verursacht durch die Sarcoptes-Milbe, kann zu einem qualvollen Tod der Füchse führen und durch direkten Kontakt auch auf Haustiere übertragen werden. Doch ob es sinnvoll ist, Füchse wegen der Räude abzuschießen, auch darüber gehen die Meinungen auseinander. So heißt es beim Verein für Wildtierschutz Deutschland, dass die Jagd hier kontraproduktiv sei, da sie den Überlebensvorteil für räuderesistente Füchse zunichtemache. Jäger könnten ja vor dem Abschuss nicht sehen, ob ein Fuchs Räude habe oder nicht.

Den Vorwurf der Tierschützer, die tagelange Jagd habe eine große Anzahl von Wildtieren beunruhigt, gehetzt und gestresst, weist Amann zurück. „Das war keine Druck- oder Treibjagd, sondern es wurde vom Hochsitz aus mit kleinkalibrigen Gewehren geschossen.“ Eine Fuchsjagd sei für Jäger etwas ganz Besonderes. „Es handelt sich hier um ein hochinteressantes, reizvolles Unterfangen. Es ist kalt, es liegt Schnee, der Mond scheint und man wartet ganz ruhig.“

Für Rechtsanwalt Storr sind solche Aussagen ein Hinweis auf die tatsächliche Motivation der Jäger. „Man sollte die Tiere im Winter in Ruhe lassen. Die Bekämpfung von Seuchen fällt doch gar nicht in die Verantwortung der Jäger, sondern der zuständigen Behörden. Das sind doch nur vorgeschobene Gründe.“ Im zuständigen Landratsamt Main-Spessart hieß es, dass man für eine Fuchsjagd keine Genehmigung brauche. „Die Jagden finden in Eigenverantwortung der Jagdpächter statt“, so Pressesprecher Holger Steiger.

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