ANKARA

Türkei will Lösung der Kurdenfrage

Hoch ging's in Silopi her, einer kleinen Stadt an der Grenze zum Irak, wo sich 50 000 Menschen versammelten – als Empfangskomitee für 34 Kurden, die aus den irakischen Bergen in die Türkei kamen. Die Rückkehr der „Friedensbotschafter“, unter ihnen acht aktive PKK-Kämpfer, signalisiert neue Bewegung in der Kurdenfrage – ein „historischer Tag“, meint Cengiz Aktar, Kolumnist der Zeitung „Hürriyet“.

Weitere PKK-Rebellen seien bereits auf dem Weg, um die Waffen zu strecken und sich den türkischen Behörden zu stellen, heißt es in Ankara. Der türkische Innenminister Besir Atalay: „In den nächsten Tagen werden wir mehr gute Nachrichten hören.“ Staatspräsident Abdullah Gül begrüßte die Friedensinitiative der PKK ausdrücklich. Er hatte bereits im vergangenen Jahr „positive Entwicklungen“ in der Kurdenfrage angekündigt und gilt als eine treibende Kraft bei den Bemühungen, den Jahrzehnte alten Konflikt, der bisher fast 40 000 Menschenleben kostete, friedlich zu lösen.

Aber neben Gül spielt jetzt ein zweiter Abdullah eine zentrale Rolle, wenn auch im Hintergrund: Abdullah Öcalan, der Gründer der PKK. Er verbüßt zwar seit zehn Jahren auf der Gefängnisinsel Imrali eine lebenslange Haftstrafe, zieht aber in der PKK immer noch die Fäden. Die Rückkehr der Kurden aus dem Nordirak gehe auf seine Initiative zurück, bestätigen Politiker der pro-kurdischen Partei DTP. Bereits im Sommer hatte Öcalan eine „Roadmap“ für eine Friedenslösung angekündigt. Er übergab seinen Friedensplan der Gefängnisverwaltung – die Öffentlichkeit kennt den Plan bis heute nicht.

Zwar lehnt Ministerpräsident Tayyip Erdogan öffentlich jede Art von Verhandlungen mit Öcalan und der PKK kategorisch ab. Aber die meisten Beobachter in Ankara gehen davon aus, dass es hinter den Kulissen Kontakte mit Öcalan gibt. Ob sie diesmal Erfolg haben, hängt auch davon ab, wie die türkischen Behörden jetzt mit den Rückkehrern umgehen.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!