BERLIN

Vertriebene nehmen Anteil

Verstärkte Anteilnahme für die Flüchtlinge sollte nach Ansicht des Bundes der Vertriebenen (BdV) eine Lehre aus der Geschichte der Vertreibungen sein. Die Bevölkerung in Deutschland müsse den Flüchtlingen mit offenen Herzen begegnen, forderte BdV-Präsident Bernd Fabritius beim „Tag der Heimat 2015“ des BdV am Samstag in Berlin.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte, viele Bundesbürger könnten in den Flüchtlingen heute die eigene Familiengeschichte wiedererkennen. „In diesen Menschen spiegelt sich dieselbe Not wieder, die vor 70 Jahren Millionen deutsche Vertriebene erlitten haben.“

Respektvoller Umgang und Mitmenschlichkeit seien die richtigen Lehren der Geschichte, sagte Weil. Vom Bund forderte er, „die Asylverfahren so zu beschleunigen, dass die Bleibeperspektive rasch geklärt wird“.

Fabritius bewertete die Vertreibung Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg und die Lage der Flüchtlinge heute als nicht vergleichbar. Denn heute handele es sich um Menschen mit anderer Sprache und oft Religion. Das erschwere die Lage für die Betroffenen und für die aufnehmende Gesellschaft.

Gerade deshalb müsse den leidgeprüften Menschen noch mehr Empathie entgegengebracht werden, „als uns und unseren Müttern und Vätern vor 70 Jahren entgegengebracht wurde“.

Zugleich forderte Fabritius, zwischen Opfern von Flucht und Vertreibung sowie Menschen zu unterschieden, „die sich selbst meist aus wirtschaftlichen Gründen für eine freiwillige Migration entscheiden“. Die Zuhörer stimmten sowohl den Solidaritätsaufrufen als auch dieser Einschränkung zu.

Der ungarische Justizminister László Trócsányi rief Deutschland zu gemeinsamen Lösungen in der Flüchtlingsfrage auf. Fabritius forderte angesichts des Flüchtlingsdramas mit 71 Toten in Österreich energisches Eintreten gegen Schleuser.

Der BdV-Chef sieht die Rolle seines Verbandes stark gewandelt – aber eine Namensänderung sei kein Thema. Die Mitglieder heute hätten andere Wünsche und Sorgen als die Heimatvertriebenen von 1945, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Der Name trifft die Situation tatsächlich nicht mehr umfassend.“ Auf Nachfrage nannte er in dem Interview einen Namen „Bund der Deutschen aus Mittel- und Südosteuropa“. Fabritius stellte später aber klar, dass dies nicht heiße, dass er über eine Namensänderung nachdenke. Eine solche stehe nicht auf der Tagesordnung.

Der BdV verlieh der CDU-Abgeordneten und langjährigen Verbandschefin Erika Steinbach die Ehrenpräsidentschaft und zeichnete Bayern, Hessen und Sachsen für die Einführung von Gedenktagen für die Opfer von Flucht und Vertreibung aus. Inzwischen ist der 20. Juni auch bundesweiter Gedenktag.

Schlagworte

  • Asylverfahren
  • Bund der Vertriebenen
  • Erika Steinbach
  • Flüchtlinge
  • Flüchtlingsfrage
  • Niedersächsische Ministerpräsidenten
  • SPD
  • Schleuser und Fluchthelfer
  • Stephan Weil
  • Vertriebene
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!