Berlin

Wälder und Felder sitzen auf dem Trockenen

Landwirtschaftsministerin Klöckner berät mit Experten über die Zukunft von Tanne und Birke. Sie stellt außerdem den Erntebericht vor.
Blick auf den Nationalpark Harz mit teilweise abgestorbenen Fichten. Angesichts der Lage der deutschen Wälder und der Klimakrise hält Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) eine starke Holzwirtschaft für notwendig. Foto: Swen Pförtner, dpa

 Birken mit gelben Blättern. Buchen, die von oben und unten austrocken. Und das alles im August. Der Klimawandel hat den Wald voll erfasst, schlägt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Alarm. „Wir haben eine Zäsur draußen im Wald. Und jeder, der Augen und Ohren hat, der sieht das“, sagt die CDU-Politikerin und hat deshalb für den 25. September zu einem Wald-Gipfel eingeladen. Das Thema ist kompliziert, es gilt, viele verschiedene Interessen unter einen Hut zu bekommen. Am Donnerstag hatte Klöckner deshalb schon mal einige Fachleute ins Ministerium eingeladen.

Klöckner mahnt schon seit einigen Monate Hilfen für die rund elf Millionen Hektar Wald in Deutschland an. Während ihre Rufe zu Anfang noch vielerorts verhallten, setzt sich offenbar die Einsicht durch, dass es ohne Hilfen nicht mehr geht. Die von Klöckner vorgestellten Zahlen sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache. Durch Waldbrände allein ging eine Forstfläche verloren, die der Größe von 3300 Fußballfeldern entspricht. Hinzu kommen die Stürme der letzten Zeit und natürlich die anhaltende Trockenheit. Insgesamt gingen Deutschland so 110.000 Hektar Wald verloren. Damit sind nicht nur wirtschaftliche Verluste verbunden. Es fehlt auch „ein Mitkämpfer beim Klimaschutz“, beklagt die Ministerin.

Tausende solcher „Mitkämpfer“ müssen gepflanzt werden. Genügend Setzlinge gibt es, wurde bei dem Treffen im Ministerium geklärt. Das Problem ist eher, dass die jungen Pflanzen wieder verdorren. Und es gibt den Experten zufolge ein zweites Problem: In den deutschen Wäldern liegt sehr viel Schadholz herum, das erst einmal abtransportiert werden muss. Die Arbeit ist mühsam, vor allem ist sie derzeit wenig lukrativ. Denn die Preise für Schadholz sind im Keller. Vielfach sei die Arbeit ein Zuschussgeschäft, ist im Ministerium zu hören.

Gleichwohl: „Der Baum, den wir heute nicht pflanzen, der wird den kommenden Generationen fehlen“, sagt Klöckner, die für einen „Waldumbau“ plädiert. Dabei geht es beispielsweise darum, herkömmliche Arten mit neuen Sorten zu kombinieren. Mit Bäumen also, die sich dem Standort und dem Klima besser anpassen.

Beim Wald-Gipfel will die Politik dann weiter mit den Praktikern reden. Mit Professor Andreas Bolte, dem Leiter des Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, war solch ein Praktiker bei dem Treffen am Donnerstag schon dabei. „Der Wald wird nicht sterben. Aber der Wald wird sich verändern“, warnt Bolte bei der anschließenden Pressekonferenz. Das Land könne dabei zuschauen, riskiere dann aber ein ungewisses Ende. „Oder wir können was ändern“, mahnt der Experte und sagt: „Die Situation ist aus meiner Sicht besorgniserregend.“

Bolte hat eine „aktive Wiederbewaldung“ im Sinn. Zu der gehören eine Kombination aus Naturverjüngung und die Anpflanzung neuer Arten sowie ein „adaptives Waldmanagement“. Anpflanzungen müssten viel öfter auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Der gebürtige Hesse plädiert dafür, keine ideologische Debatte zu führen, sondern sich „alle Optionen offen zu halten“.

Der Klimawandel hat auch gravierende Auswirkungen auf die Ernte. „Die Erträge sind erfreulicherweise besser als im Vorjahr“, sagt die Ministerin und ergänzt: „Alles andere wäre aber auch schwierig. Denn das vergangene Jahr war ein Katastrophenjahr.“

Im bundesweiten Durchschnitt fällt die Ernte bei Getreide und Raps im Vergleich zum Fünf-Jahres-Schnitt von 2013 bis 2018 aber unterdurchschnittlich aus. Während Getreide (einschließlich Körnermais) mit knapp 45 Millionen Tonnen immerhin 18 Prozent mehr als im Vorjahr hergibt, hat es den Raps besonders hart erwischt: Knapp drei Millionen Tonnen und somit fast 22 Prozent weniger als im vorangegangenen „Katastrophenjahr.“

Das wiederum stellt vielerorts Betriebe mit Viehhaltung erneut vor große Probleme beim Grundfutter. Die Rapsanbaufläche war 2019 die kleinste seit 1996. „Die Niederschläge reichten nicht aus, um die Wasserdefizite des Vorjahres auszugleichen. Landwirte müssen sich verstärkt auf den Klimawandel einstellen“, sagt Klöckner. Hierzu möchte sie noch in diesem Jahr eine Nationale Ackerbaustrategie vorstellen. Dürrehilfen wird es in diesem Jahr aber keine geben: „Da entscheiden wir nicht nach Intuition, sondern nach Daten und Fakten.“

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